Dubai - "Der Prozess sollte ihm nicht vom Regierungsrat gemacht werden, der von den Besatzern eingesetzt worden ist", sagte Raghad Saddam Hussein dem in Dubai ansässigen Fernsehsender al-Arabija in einem Telefoninterview. "Wir wollen ein internationales, faires und rechtmäßiges Verfahren."
Sie könne es nicht ertragen, die Videoaufnahmen ihres Vaters zu sehen, die das US-Militär veröffentlicht habe, sagte Raghad. Saddam müsse bei seiner Festnahme betäubt worden sein. Nur so seien die erniedrigenden Bilder zu erklären, die den von vielen Irakern als Held verehrten Saddam in unterwürfiger Haltung zeigten. "Eine Löwe bleibt ein Löwe, auch in Gefangenschaft. Glauben Sie, sie hätten ihn festnehmen können, wenn sie ihn nicht betäubt hätten? Ich bin sicher, nicht."
"Ich bin stolz, dass dieser Mann mein Vater ist", so Raghad. "Wo ist die Demokratie, wo ist die Immunität, die Präsidenten genießen?" Raghad und ihre Schwester Rana waren kurz nach dem Einmarsch der Amerikaner in Bagdad aus dem Irak geflohen und leben nun in Jordanien, das ihnen Asyl gewährt. Im Jahr 1996 ließ Saddam die Ehemänner von Raghad und Rana ermorden, weil sie dem Westen Informationen über Saddams Waffenarsenal verraten hätten.
Saddam bleibt uneinsichtig
Saddam selbst zeigt indes keine Reue für seine Taten als Diktator - im Gegenteil. Nach Worten von Muwaffak al-Rabai, der zu den vier Mitgliedern des irakischen Regierungsrats gehört, die Saddam am Sonntagabend sehen durften, beschimpfte der wütende Ex-Diktator die Besucher und verteidigte seine Handlungen.
Unterdessen machen Saddam Husseins Anhänger mobil. Bei Demonstrationen für den gestürzten Machthaber, die von US-Soldaten aufgelöst wurden, kamen mehrere Menschen ums Leben. Saddams momentaner Verwahrungsort ist weiter ein Geheimnis.
In einem Interview der arabischen Zeitung "al-Hajat", sagte Rabai, Saddam sei vor allem aus der Haut gefahren, als Rabai gesagt habe: "Du sollt im Diesseits und Jenseits verflucht sein. Wie willst du Gott mit dieser langen Liste von Verbrechen entgegentreten?" Als er Saddam gefragt habe, weshalb dieser bei der Festnahme nicht auf die Amerikaner geschossen habe, habe dieser nur geantwortet: "Hast du selbst jemals gekämpft?"
Bei dem halbstündigen Treffen habe der Ex-Präsident ein weißes traditionelles arabisches Gewand getragen und niedergeschlagen, aber trotzig auf der Bettkante gesessen. Der amerikanische Zivilverwalter Paul Bremer und US-General Ricardo Sanchez seien bei dem Gespräch an einem unbekannten Ort im Raum Bagdad anwesend gewesen, hätten jedoch nichts gesagt. Saddam habe zum Abschluss gesagt: "Geht ihr jetzt endlich, seid ihr fertig?"
Anhänger und Gegner Saddams auf der Straße
Anhänger Saddam Husseins demonstrierten am Abend in den Hochburgen des anti-amerikanischen Aufstands für ihr gestürztes Idol. In Ramadi, 100 Kilometer westlich von Bagdad, versammelten sich nach US-Angaben rund 600 Menschen vor dem Sitz der Provinzverwaltung. Bei einer anschließenden Schießerei mit irakischen und US-Sicherheitskräften wurden zwei Iraker getötet und zwei weitere sowie ein US-Soldat verletzt. Ein dritter Iraker starb bei einem späteren Zwischenfall in derselben Stadt, als eine Gruppe von 30 Aufständischen eine US- Einheit nahe einem Waffenlager angriff.
In Falludscha, 60 Kilometer westlich von Bagdad, stürmten bewaffnete Saddam-Anhänger nach Militärangaben das Bürgermeisteramt. US-Soldaten erschossen einen von ihnen. Eine Pro-Saddam-Demonstration in dessen Heimatstadt Tikrit wurde vom US-Militär unter Einsatz von Tränengas aufgelöst, wie arabische TV-Sender berichteten. Zu Sympathiebekundungen für Saddam kam es auch in den Bagdader Stadtbezirken Amirija und Adhamija. Augenzeugen berichteten, viele Demonstranten glaubten, dass die US-Armee nicht Saddam, sondern einen seiner Doppelgänger festgenommen habe.
Auch die Saddam-Gegner zog es am Dienstag auf die Straße. Mehrere Hundert Schiiten demonstrierten in Bagdad und Basra für eine gerechte Bestrafung Saddams und der Führungsmitglieder seines Regimes. Auf Transparenten forderten sie, Saddam und seine Mitstreiter sollten als "Terroristen" vor Gericht gestellt werden.
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