Rom - Innenminister Guiseppe Pisanu wartete vor einer Parlamentskommission in Rom mit einer faustdicken Überraschung auf: Nach seinen Worten haben sich die Roten Brigaden zurückgemeldet. Die Terrorgruppe soll gemeinsam mit italienischen Anarchisten die mit Sprengstoff versehenen Briefe an EU-Politiker und -Behörden geschickt haben.
Die Roten Brigaden, so der Politiker, seien durch Festnahmen im vergangenen Jahr geschwächt und hätten Anarcho-Gruppierungen deshalb eine Art "Angebot" der Zusammenarbeit gemacht. "Zu den Zielen der Anarcho-Aufständischen gehören auch Gefängnisse, Banken, Gerichtsgebäude und Kasernen", erklärte der Innenminister. Von konkreten Fahndungserfolgen sagte der Politiker jedoch nichts.
Vor allem in den siebziger Jahren hatten die Roten Brigaden zahlreiche Terroranschläge verübt. Ein Dossier des italienischen Innenministeriums betont zudem die Zusammenarbeit anarchistischer Gruppen aus Italien mit Gesinnungsgenossen in Griechenland und Spanien.
Zu den versuchten Briefbomben-Attentaten auf den Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, und auf das Büro von Europol am 29. Dezember letzten Jahres bekannte sich nach Auskunft von Pisanu eine italienische Anarchistengruppe. Die Organisation namens "Vereinigung Informeller Anarchisten" hatte bereits mitgeteilt, sie sei auch für die beiden kleinen Bomben verantwortlich, die am 21. Dezember vor dem Privathaus von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi explodiert waren.
Die gleiche Gruppe wird auch in Verbindung mit den Briefbomben gebracht, die unter anderem an drei EU-Parlamentarier adressiert waren. Zwei der präparierten Paketsendungen gingen an diesem Montag in Flammen auf, eine davon im Brüssler Büro des deutschen Fraktionsvorsitzenden der Europäischen Volkspartei im Europaparlament, Hans-Gert Pöttering. Bei den Anschlägen wurde niemand verletzt. Die Briefe wurden nach italienischen Angaben alle im Raum Bologna aufgegeben.
Um die Anschläge aufzuklären, hat die EU eine multinationale Sonderkommission aus Anti-Terror-Experten unter der Leitung Italiens eingerichtet. Diese sollten in der Zeit nach der Briefbombenserie Anarchistengruppen in Staaten wie Spanien, Italien und Griechenland untersuchen.
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