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Kfor Machtlos gegen anarchische Zustände

In der Nacht zum Sonntag wurden erstmals zwei Mitarbeiter einer internationalen Organisation in der Kosovo-Hauptstadt Pristina erschossen. Die Soldaten der internationalen Friedenstruppen müssen Plünderungen und Gewalt meist hilflos zusehen. Derweil mehren sich die Hinweise, daß die Serben die Massaker in der Provinz systematisch vorbereitet hatten.

Pristina/Moskau/London/Bonn - Plünderungen und Brandschatzungen marodierender Banden gingen ungeachtet bisheriger Kontrollen der Schutztruppen Kfor weiter. Bis Sonntag war fast die Hälfte der im Krieg vertriebenen Kosovo-Albaner in die Provinz zurückgekehrt.

Hilflos sehen die Kfor-Soldaten den Brandschatzungen zu.
REUTERS

Hilflos sehen die Kfor-Soldaten den Brandschatzungen zu.

Nach ersten Untersuchungen ist einer der beiden Getöteten ein Ausländer, der zweite sein Dolmetscher, sagte ein Sprecher der Friedenstruppe Kfor in Pristina. "Am Tatort wurde eine ganze Reihe von Patronenhülsen gefunden", sagte er, ohne weitere Details zu nennen. Die Getöteten seien Mitarbeiter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE,) hieß es. Eine Bestätigung dafür lag aber noch nicht vor.

Trotz einer hohen Zahl von Kontrollpunkten der Kfor in Pristina und auf den Zufahrtstraßen gingen Plünderungen, Wohnungseinbrüche und Brandschatzungen weiter. Vor allem verlassene Wohnungen von Serben, aber auch von Kosovo-Albanern, werden ausgeraubt. In der Nacht zum Sonntag wurden erneut auch wieder mehrere Häuser angesteckt.

In Lipljan, südlich von Pristina, stellte die Kfor am Samstag einen Heckenschützen, der einen Mann tödlich verletzt hatte. Britische Einheiten hätten das Feuer erwidert. Berichte, wonach der Festgenommene ein mutmaßlicher Kriegsverbrecher sei, wollte der Sprecher nicht kommentieren. "Er war betrunken, und wir konnten ihn noch nicht befragen." Der Schütze werde der internationalen Polizeitruppe übergeben. Die britischer Kfor-Einheit hatte zuvor mitgeteilt, der Festgenommene sei Mitglied der serbischen Sonderpolizei und wegen vermuteter Beteiligung an 56 Morden im Kosovo in Gewahrsam genommen worden.

Immer wieder stoßen Soldaten im Kosovo auf Massengräber
REUTERS

Immer wieder stoßen Soldaten im Kosovo auf Massengräber

Wie mit dem Eintreffen weiterer russischer Kfor-Experten bekannt wurde, soll dem Kontingent ein Posten eines stellvertretenden Kommandeurs zufallen. Eine 750 Mann starke russische Einheit soll als Sicherheitstruppe auf dem Flughafen der Kosovo-Hauptstadt arbeiten, dessen Inbetriebnahme russische Experten auf Hochtouren vorbereiten, sagte ein Kfor-Sprecher. Weitere 2800 Soldaten sollen auf drei Kfor-Zonen verteilt werden, darunter das deutsche Gebiet um Prizren.

Der Einsatz von internationalen Polizisten in der Provinz wird von der UN-Mission im Kosovo (UNMIK) vorbereitet. Die ersten Beamten werden am Montag in Pristina erwartet, sagte der Sprecher der Mission, Kevin Kennedy. Aus Deutschland werden sich Bund und Länder nach Angaben von Berlins Innensenator Eckart Werthebach mit 300 Polizeibeamten beteiligen. Über den Einsatz soll an diesem Montag eine Innenministerkonferenz in Bonn beraten. Auch Moskau kündigte die Entsendung von 210 Mitarbeitern des Innenministeriums und 30 Grenzsoldaten an.

Aufgabe der internationalen Polizeibehörde ist es, beim Aufbau einer demokratischen Polizei zu helfen, Polizeiarbeit vor Ort zu überwachen und insgesamt dazu beizutragen, das Zusammenleben der verfeindeten Gruppen wieder in geregelte Bahnen zu führen.

Nach der teilweise chaotischen Massenrückkehr fast der Hälfte aller Kosovo-Flüchtlinge beginnt das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Montag mit der offiziellen schrittweisen Rückführung der übrigen Vertriebenen. Die ersten Flüchtlinge würden von Mazedonien aus mit Bussen nach Pristina gebracht, sagte UNHCR-Sprecher Ron Redmond. Bis Sonntag vormittag seien etwa 380.000 Menschen selbständig zurückgegangen, während in Mazedonien und Albanien noch etwa 400.000 Menschen an ihren Zufluchtsorten ausharrten.

Am Samstag waren etwa 40 000 Kosovo-Albaner über die Grenzen geströmt. Redmond sagte, zurück blieben bisher die Vertriebenen, die mittellos auf Hilfe der internationalen Organisationen angewiesen seien.

Soldaten untersuchen ein gefundenes Grab
REUTERS

Soldaten untersuchen ein gefundenes Grab

Unterdessen sollen Hunderte von Dokumenten, die von abziehenden serbischen Truppen im Kosovo hinterlassen wurden, die "sorgfältige Planung" von Massakern an der albanischen Bevölkerung durch die Führung in Belgrad belegen. Wie die britische Sonntagszeitung "The Observer" berichtete, liefern die Papiere "wichtige Beweise" für die Verwicklung hoher Armeeoffiziere und Polizeikräfte "bis hin zu Präsident Slobodan Milosevic." Die große Mehrzahl der Dokumente sei im Besitz des Geheimdienstes der kosovo-albanischen Untergrundarmee UCK, heißt es. Die Informationen sollten insbesondere von britischen Kfor-Truppen für die Verfolgung von Kriegsverbrechen genutzt werden.

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