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11.04.2004
 

Irak

Zivilisten flüchten aus Falludscha

Rund ein Drittel der ehemals 200.000 Einwohner aus Falludscha haben die brüchige Waffenpause genutzt, um aus der Stadt zu fliehen. Die US-Truppen verstärkten den Belagerungsring um die Hochburg des sunnitischen Widerstands. Männer im wehrfähigen Alter durften Falludscha nicht verlassen.

Angriff in Falludscha (am Samstag): Mindestens 600 Menschen sollen in der vergangenen Woche getötet worden sein
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AP

Angriff in Falludscha (am Samstag): Mindestens 600 Menschen sollen in der vergangenen Woche getötet worden sein

Falludscha - Nach Angaben des Leiters des städtischen Krankenhauses sind allein in der Stadt Falludscha in der vergangenen Woche mehr als 600 Iraker getötet worden. Dies gehe aus den gesammelten Statistiken der vier größten Klinken hervor, sagte Rafie el Issaui. Zudem gebe es Berichte, dass viele Tote von den Angehörigen beigesetzt worden seien, ohne dass dies den Kliniken mitgeteilt worden sei. Die Leichen würden auf zwei Fußballplätzen beigesetzt. Der eine, auf dem es dichte Reihen von Gräbern gebe, werde inzwischen Friedhof der Märtyrer genannt.

Seit dem Abend gibt es Hoffnung, dass das Morden und Sterben gestoppt wird. "Wir haben die Vereinbarung erreicht, dass das Blutvergießen bis morgen früh gestoppt wird. Wir werden nach Falludscha zurückkommen und versuchen, das Blutvergießen dauerhaft und vollständig zu beenden", sagte Haschim el Hassani, Stellvertreter eines Mitglieds des irakischen Regierungsrates am Abend nach weiteren Gesprächen mit Vertretern der Stadt.

US-Zivilverwalter Paul Bremer hatte seinerseits angekündigt, die Waffenruhe für weitere Gespräche nutzen zu wollen. Hunderte von Bewohnern nutzten den Tag, um aus der seit einer Woche umkämpften Stadt zu fliehen. Nach weiteren Gefechten in der Nacht waren die Kämpfe gegen Morgen abgeflaut. Auch tagsüber herrschte weitgehend Ruhe.

Die Gespräche in Falludscha würden Morgen um 10 Uhr fortgesetzt, sagte El Hassani weiter. Die Bagdader Delegation hatte gestern die Zustimmung der Rebellen zu der von der US-Armee angebotenen Waffenruhe erreicht. Die Rebellen fordern einen Rückzug der US-Armee auf Positionen aus der Zeit vor ihrer Offensive in der Stadt. Die US-Armee fordert die Auslieferung der Männer, die Anfang April in der Stadt vier US-Amerikaner getötet und ihre Leichen geschändet haben.

Bremer nannte in mehreren Interviews mit US-Fernsehsendern das Ende der Kämpfe als derzeit vorrangiges Ziel. "Wir versuchen versuchen derzeit einfach, die Aufständischen dazu zu bringen, damit aufzuhören, auf die Soldaten zu schießen", sagte er. "Dann wird eine Delegation des Regierungsrates hinfahren und wir werden versuchen, herauszufinden, wie wir von hier aus weitermachen." Die Gewalt werde die geplante Machtübergabe an die Iraker am 30. Juni nicht verzögern, fügte er hinzu.

US-Armee und Zivilverwaltung haben Bremers Worten zufolge für die Waffenruhe keinerlei Bedingungen gestellt. "Wir versuchen zunächst lediglich, den Waffenstillstand haltbar zu machen", sagte er. Die USA seien sich allerdings auch der Gefahren einer solchen Waffenruhe bewusst. "Es ist uns sehr die Notwendigkeit bewusst, dass das Ergebnis nicht eine Stärkung der Rebellen sein darf."

Am Abend wurden gemeldet, dass ein entführter Brite wieder auf freiem Fuß sei. Unklarheit herrscht über das Schicksal der japanischen Geiseln. Gewiss scheint inzwischen, dass die beiden vermissten deutschen GSG-9-Mitarbeiter tot sind.

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