ThemaIrakRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
06.05.2004
 

Showdown im Weißen Haus

Bush faltet Rumsfeld zusammen

Offiziell stärkt der US-Präsident seinem Kriegsminister noch immer den Rücken. Doch intern gilt das Verhältnis der beiden seit längerem als angespannt. Jetzt sickerte erstmals durch, wie sich Bush im Oval Office Rumsfeld vorknöpfte - wegen dessen Umgang mit der Folteraffäre.



Rumsfeld: Die Folteraffäre bringt den Minister unter Druck
Zur Großansicht
AFP

Rumsfeld: Die Folteraffäre bringt den Minister unter Druck

Washington - Die "New York Times" und andere US-Medien berichten über das Meeting im Oval Office des Weißen Hauses. Bush habe sich bei Rumsfeld vehement darüber beschwert, wie er über die Misshandlungen von irakischen Gefangenen durch US-Soldaten informiert worden sei, heißt es.

Bush sei sehr unzufrieden und unglücklich über die Art und Weise gewesen, wie er von Rumsfeld über die Fotos der Misshandlungen unterrichtet worden sei. Bush habe sich beschwert, dass ihn niemand von der Existenz der Fotos unterricht habe. Damit wurde zum ersten Mal bekannt, dass Bush einen Topminister seines Kabinetts zusammenstauchte.

Bush sei über die Foltervorwürfe "irgendwann nach Aufnahme der Ermittlungen des Pentagons im Januar" informiert worden, hatte sein Sprecher Scott McClellan am Dienstag gesagt. Über den Bericht der Streitkräfte und die Bilder habe der Präsident aus den Medien erfahren.

Rumsfeld steht seit Tagen unter Druck. Der Verteidigungsausschuss des US-Senats hat ihn wegen der Folteraffäre vorgeladen. Das teilte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums mit. Der republikanische Ausschussvorsitzende John Warner hatte am Dienstag angekündigt, Rumsfeld zu einer öffentlichen Anhörung vorzuladen. Der Ausschuss möchte unter anderem klären, wer zur Zeit der Misshandlungen im Gefängnis von Abu Ghureib im Irak verantwortlich war und was nach Bekanntwerden der Vorwürfe von der Armeeführung unternommen wurde.

Das Pentagon hatte immer wieder versichert, dass die Gefangenen im Irak menschlich behandelt werden. Menschenrechtsgruppen hatten das jedoch stets bezweifelt. "Es ist natürlich zu fragen, seit wann Rumsfeld und andere Verantwortliche im Pentagon Bescheid wussten und was sie dagegen getan haben", sagte Senator Joseph Biden, einflussreicher Demokrat im außenpolitischen Ausschuss des Senats. "Sind die Antworten unbefriedigend, sind Rücktritte fällig."

Die Streitkräfte informierten erst am Dienstag über die zahlreichen Ermittlungen gegen mutmaßliche Folterer in den eigenen Reihen. Auf einer Pressekonferenz hatte Rumsfeld zugegeben, nach dem Bekanntwerden der Misshandlungen im Irak seien sechs Untersuchungen eingeleitet worden, von denen sich eine auf Guantanamo und eine weitere auf einen Marinestützpunkt in South Carolina bezögen.

Als hätte es die Bilder aus Bagdad nicht gegeben, lenkte Rumsfeld den Verdacht auf die Inhaftierten selbst: "Es gibt ein Schema, eine Gewohnheit von Terroristen, Foltervorwürfe zu erheben", sagte er. "Wir haben das in ihrer Ausbildung gesehen, dass sie das tun."





Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Irak

© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP