Gaza - Mehrere Raketen feuerten die israelischen Streitkräfte vor Morgengrauen über Gaza-Stadt ab. Ihr Ziel: Mohammed Scheik Chalil, Führer des Islamischen Dschihad im Gazastreifen. Zwei Bürogebäude sowie das Wohnhaus Chalils wurden beschossen, doch der Mann aus der Führungsriege des militärischen Flügels der Untergrundorganisation wurde nicht getötet. Verletzt wurden nach palästinensischen Angaben bei den Angriffen insgesamt vier Personen - darunter sei nicht ein Mitglied des Islamischen Dschihads gewesen.
Augenzeugen berichteten, aus einem Hubschrauber seien früh am Morgen fünf Raketen auf ein Gebäude in Gaza-Stadt abgefeuert worden, in dem Büros des Sprechers des Islamischen Dschihad untergebracht sind. Mohammed al-Hindi habe sich jedoch nicht in dem Haus aufgehalten. Zwei Personen erlitten Verletzungen, benachbarte Häuser wurden beschädigt. Rund eine halbe Stunde später wurde ein weiteres Gebäude der Organisation im Norden der Stadt mit drei Raketen beschossen.
Der dritte Angriff auf das Haus von Scheik Chalil in Rafah an der Grenze zu Ägypten erfolgte einige Stunden später. Er war nach Angaben von Anwohnern nicht zu Hause.
Mit den Attacken wollte Israel offenbar Vergeltung für einen Angriff des Islamischen Dschihad auf einen israelischen Panzer zu Beginn der Woche üben, bei dem sechs Soldaten getötet worden waren. In der Folge war es zu den blutigsten Auseinandersetzungen im Gazastreifen in den vergangenen Monaten gekommen. 13 israelische Soldaten und 29 Palästinenser kamen ums Leben.
Trümmer, Tränen und Angst vor der Zukunft
Am Samstagmorgen zogen sich israelische Soldaten aus dem Flüchtlingslager Rafah zurück. Die Truppen hatten dort Dutzende Häuser durchsucht und 35 Gebäude abgerissen. Aus den Häusern waren nach israelischen Angaben Soldaten beschossen worden, die nach den Überresten ihrer getöteten Kameraden suchten. Bei den Auseinandersetzungen am Freitag waren zwei Soldaten und drei Palästinenser ums Leben gekommen.
Nach dem Truppenabzug fanden Rettungskräfte in den Trümmern eines Hauses die Leiche eines weiteren Palästinensers. Nach Darstellung von Anwohnern wurden neben Gebäuden auch zahlreiche Geschäfte, Straßen, Strom- und Wasserleitungen verwüstet. "Die Zerstörung hier ist gewaltiger als nach einem Erdbeben", sagte Raslan Abu Taha, dessen Wohnung nicht mehr existierte. "Nichts ist geblieben außer Trümmern, Tränen und Angst vor der Zukunft."
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