Brüssel - Die EU-Kommission stimmte der Zulassung der Maissorte Bt-11 für den EU-Markt zu, die der Schweizer Agrarchemiekonzern Syngenta beantragt hatte. Bt-11 kann damit als gentechnisch gekennzeichneter Dosenmais künftig in europäischen Supermärkten verkauft werden. EU-Verbraucherschutzkommissar David Byrne erklärte, die Maissorte sei genauso sicher wie jede konventionelle Sorte.
Renate Künast kritisierte, gegen die Zulassung der Maissorte gebe es toxikologische und allergologische Bedenken. "Die Kommission hat das meines Erachtens nicht hinreichend geklärt", sagte die Grünen-Politikerin. Das Gremium habe offenbar unter starkem Druck gestanden, eine Entscheidung zu fällen, ohne die wissenschaftlichen Bedenken ausreichend zu berücksichtigen. "Es sind nicht hinreichend Tests gemacht worden, ob hier Allergien entstehen können", betonte die Ministerin. Außerdem habe die Kommission Daten über die Wirkung von Gen-Futtermais einfach auf den Gemüsemais übertragen.
EU-Kommissar Byrne erklärte dagegen, die Sorte sei vor der Markteinführung eingehend geprüft worden. "Die Nahrungsmittelsicherheit ist von daher keine Frage, es ist eine Frage, ob die Verbraucher das Produkt akzeptieren."
Die EU war bis zuletzt uneins in der Frage der Zulassung von Gen-Lebensmitteln. Mehrere Länder hatten die Genehmigung im Agrarrat abgelehnt, andere hatten sich der Stimme enthalten. Die Kommission hatte 1998 das Importverbot wegen des Widerstands aus den Mitgliedstaaten verhängt. Die USA und andere Anbauländer von Gen-Lebensmitteln hatten den Einfuhrstopp heftig kritisiert und gemeinsam mit Argentinien und Kanada die EU vor der Welthandelsorganisation verklagt.
Syngenta begrüßte die Entscheidung. Zugleich teilte das Unternehmen jedoch mit, es erwarte keine signifikanten finanziellen Auswirkungen. Über den Erfolg der neuen Maissorte in der EU würden die Konsumenten entscheiden. Syngenta-Aktien gewannen in einem positiven Marktumfeld rund 1,3 Prozent an Boden.
Umweltorganisationen warfen der EU-Kommission vor, sich gegen die Interessen der Verbraucher zu stellen. "Die EU-Kommission sollte die Interessen der europäischen Bürger und der Umwelt vertreten, aber in diesem Fall vertritt sie die der US-Landwirte und der agrochemischen Industrie", erklärte ein Greenpeace-Vertreter.
Umfragen zufolge sind 70 Prozent der Verbraucher in der EU gegen die Einführung gentechnisch veränderter Lebensmittel. Die großen Einzelhandelsketten hatten sich daher bislang ablehnend gegenüber der Einführung von Genfood gezeigt.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH