Rom - "Es ist der offensichtliche Wunsch eines jeden, dass sich diese Situation so schnell wie möglich normalisiert", sagte der Papst. Möglichst bald sollten die Iraker die Souveränität in ihrem Land zurückerhalten, und zwar in enger Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen, forderte der 84-Jährige heute in einer öffentlichen Rede in Rom. Außerdem verlangte der Papst ein "besseres und tieferes Verständnis zwischen den USA und Europa", um die anstehenden Probleme zu lösen. Er forderte Verhandlungen im Nahost-Konflikt und bezeichnete den Terrorismus als ernste Sorge für die Welt.
Bush verlieh dem Papst die Freiheitsmedaille, den höchsten zivilen Orden der Vereinigten Staaten. Der Papst sei "ein Symbol für Frieden und Freiheit" und habe geholfen, den Kommunismus zu besiegen. "Sie sind ein Held unserer Zeit", lobte der US-Präsident den Papst.
Schaulustige am Rand des Petersplatzes wurden von der Polizei zurückgehalten. Einige applaudierten, als die Fahrzeugkolonne des Präsidenten passierte, andere empfingen Bush mit Pfiffen. Tausende bewaffneter Polizisten füllten die Straßen der italienischen Hauptstadt, um die Sicherheit zu gewährleisten. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden aus Angst vor gewaltsamen Ausschreitungen massiv erhöht. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi warnte vor Gewalt; es gebe Besorgnis erregende Hinweise.
Maskierte Scharfschützen waren auf den Dächern rund um das US-Botschaftsgebäude postiert, wo Bush sich nach seiner Ankunft am frühen Morgen aufgehalten hatte. Auf vielen Balkonen in der Umgebung hatten Kriegsgegner regenbogenfarbene Friedensflaggen gehisst. Hubschrauber kreisten über der Innenstadt. Vor dem Hauptbahnhof formierten Spezialeinheiten der Polizei mit Schutzschildern eine Kette.
Die italienischen Behörden hatten angekündigt, friedliche Proteste zuzulassen. Zugleich aber wurden rund 10.000 Polizisten an Bahnhöfe und Metro-Stationen sowie auf Plätze in der Hauptstadt entsandt.
Bei seiner Europa-Reise will Bush um internationale Unterstützung für seinen Irak-Kurs werben. Zudem nimmt er am Wochenende an den Gedenkfeiern zum "D-Day" in der Normandie teil, wo an die Invasion der Alliierten vor 60 Jahren erinnert wird.
Gedenken an Nazi-Massaker
Am Morgen war Bush bereits mit dem italienischen Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi zusammengetroffen. Auch hier hatten Demonstranten protestiert. Der Gast musste unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen in den Quirinalspalast einfahren.
Bush-Gegner schossen zudem mit Feuerwerkskörper auf eine Militärschule am Rande des Zentrums. Sie blockierten eine Stadtautobahn bei Rom und legten den Verkehr auf Zufahrtsstraßen in Außenbezirken lahm, indem sie Kartons und Decken in Brand setzten. Für den Nachmittag sind weitere große Demonstrationen vorgesehen. Italienische Zeitungen berichten, radikale Bush-Gegner wollten das Auto des US-Präsidenten stoppen.
Bush und Berlusconi gedachten anschließend der Opfer des Nazi-Massakers in den Ardeatinischen Höhlen. Der amerikanische Präsident legte an der Gedenkstätte einen Lorbeerkranz nieder. SS-Angehörige hatten im März 1944 in den Gängen des Steinbruchs 335 italienische Zivilisten erschossen, darunter viele Juden.
Die Bluttat - ein Vergeltungsschlag für ein Attentat von Partisanen auf Südtiroler Hilfspolizisten im Dienst der deutschen Besatzungsmacht - war eines der schwersten Nazi-Massaker während des Zweiten Weltkrieges in Italien. Amerikanische und alliierte Truppen hatten Rom vor genau 60 Jahren von den deutschen Besatzern befreit.
Am Samstag reist Bush nach Paris zu einem Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac weiter.
Italien unterstützt die US-Truppen im Irak mit rund 2700 Soldaten und gilt als einer der engsten Verbündeten der USA im Irak-Krieg. Die Mehrheit der Italiener war aber gegen den Krieg.
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