Bagdad Washington - Die Ermittlungen über die Zustände in Abu Ghureib haben neue Erkenntnisse zu Tage gebracht. Unter Eid sagte der in dem Gefängnis tätig gewesene Steven Stefanowicz gegenüber Ermittlern, der systematische Schlafentzug bei irakischen Häftlingen sei von Soldaten des militärischen Geheimdienstes und Mitarbeitern seiner eigenen Firma, CACI International, angeordnet worden. Diese wirkte im Auftrag der Streitkräfte an den Vernehmungen mit.
Die Aufseher in Abu Ghureib erhielten nach Angaben Stefanowiczs für jeden Häftling einen Verhörplan mit einem "Organisationsprogramm Schlaf/Mahlzeiten". Über einen Zeitraum von drei Tagen sollten die Gefangenen maximal vier Stunden am Tag schlafen. Danach sei ihnen eine Schlafphase von zwölf Stunden zugestanden worden, erklärte Stefanowicz in seiner Erklärung. Der Leiter des Militärgeheimdienstes in Abu Ghureib, Oberst Thomas Pappas, habe den Schlafentzug persönlich gebilligt.
Die Aussage Stefanowiczs steht in Widerspruch zu früheren Erklärungen von Generälen und CACI International, dass die Angehörigen des Geheimdienstes oder der von den Streitkräften beauftragten Firma den Militärpolizisten im Gefängnis keine Anweisungen vor Verhören gegeben hätten.
Im ersten Prozess wegen Misshandlungen in Abu Ghureib wurde ein US-Soldat zur Höchststrafe von einem Jahr Haft verurteilt. Am Montag nächster Woche müssen sich sechs weitere Angeklagte vor einem Militärgericht in Bagdad verantworten.
Die vom Dienst suspendierte Brigadegeneralin Janis Karpinski, der Abu Ghureib unterstellt war, sagte gegenüber dem britischen Sender BBC, es sei an oberer Stelle eine Entscheidung gefällt worden, wonach Gefangene wie Hunde behandelt werden mussten. Sie riet, den Oberbefehlshaber für den Irak, General Ricardo Sanchez, dazu zu befragen.
Karpinski sagte, der militärische Geheimdienst habe die Herrschaft über Teile des Gefängnisses Abu Ghureib übernommen, um Häftlinge in der Art zu verhören wie es im Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba üblich sei. Karpinski sagte weiter, Generalmajor Geoffrey Miller, derzeitiger Chef über die irakischen Gefängnisse und früher für Guantanamo verantwortlich, habe sie in Bagdad besucht und ihr mitgeteilt, dass man in Guantanamo gelernt habe, dass sich Gefangene jede Kleinigkeit verdienen müssten.
"Er sagte, sie seien wie Hunde, und wenn du ihnen zu irgendeinem Zeitpunkt erlaubst zu glauben, dass sie mehr sind als ein Hund, hast du die Kontrolle über sie verloren", sagte Karpinski dem Sender.
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