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22.08.2004
 

Streit über Vietnam-Dienst

Kerry erhält Rückendeckung

Der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry wehrt sich weiter gegen Fernsehspots einer Gruppe von Vietnam-Veteranen, welche die positive Darstellung seines Militäreinsatzes in Vietnam in Zweifel ziehen. Rückendeckung erhielt Kerry am Sonntag von der "Washington Post" sowie einem Zeitzeugen, der bisher geschwiegen hatte.

John Kerry bei einem Wahlkampfauftritt: "Schmutzige Arbeit"
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John Kerry bei einem Wahlkampfauftritt: "Schmutzige Arbeit"

East Hampton/Washington - Kerry warf Amtsinhaber George W. Bush vor, die Vorwürfe auszunutzen und "seine schmutzige Arbeit" von Dritten erledigen zu lassen. Kerrys Wahlkampfteam hatte am Freitag Beschwerde bei der Bundeswahlkommission (FEC) gegen die Spots eingereicht, die von der konservativen Gruppe "Swift Boat Veterans for Truth", einem politischen Aktionskomitee, verantwortet werden.

Die Angriffe auf seine Glaubwürdigkeit hätten sich verstärkt, weil in den vergangenen Monaten klar geworden sei, dass er den Kampf der USA gegen den Terror effektiver führen könne, so Kerry in East Hampton (US-Staat New York). "Deshalb nehmen sie mich persönlich ins Visier", sagte er und rief Bush auf, dem ein Ende zu machen und nicht still zu schweigen. "Der Präsident muss den Mut haben, darüber zu sprechen."

Wer steht hinter den Veteranen?

Das Wahlkampfteam der Demokraten beschuldigt die "Swift Boat Veterans", ihre Fernseh-Kampagne rechtswidrig mit Bushs Republikanern abgestimmt zu haben. Die Kerry-kritischen Veteranen sind in Form eines so genannten 527er Komitees organisiert. Diese dürfen Spenden in unbegrenzter Höhe von Individuen und Firmen einsammeln. Laut US-Wahlkampfgesetz dürfen sie jedoch keine direkte Werbung für einen der Kandidaten machen und sich nicht mit den Kampagnenmanagern einer Partei absprechen. In der Vergangenheit haben die Republikaner die Demokraten wiederholt beschuldigt, ihrerseits eng mit liberalen 527-Gruppen zusammenzuarbeiten und dadurch das Parteispendengesetz zu konterkarieren.

Der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, warf Kerry im Gegenzug vor, mit falschen und haltlosen Attacken gegen den Präsidenten vorzugehen. Der demokratische Herausforderer habe seine Gelassenheit verloren und sei damit kaum für das höchste Staatsamt geeignet, so McClellan. Das Weiße Haus bestreitet weiter jegliche Verbindung zu den "Swift Boat Veterans". Wie allerdings am Samstagabend bekannt wurde, war einer der in den fraglichen Fernsehspots auftauchenden Veteranen, Colonel Ken Cordier, bis vor kurzem Mitglied eines Beratungsstabs der Bush-Kampagne. Ein Sprecher der Kampagne sagte am Samstag, wegen seines Engagements für die "Swift Boat Veterans" habe man die Zusammenarbeit mit Cordier beendet.

Was geschah vor 35 Jahren?

Veteran Kerry (bei einer Senatsanhörung im Jahr 1971): Keine Lüge nachgewiesen
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Veteran Kerry (bei einer Senatsanhörung im Jahr 1971): Keine Lüge nachgewiesen

Im Kern geht es bei dem Streit um Kerrys Militärdienst in Vietnam um eine Episode aus dem Jahr 1969, als der damalige Leutnant der Navy ein kleines Aufklärungsboot (so genanntes Swift Boat) auf dem Bay Hap Fluss befehligte. Am 13. März gerieten Kerrys Boot sowie mehrere andere unter schweres feindliches Feuer, der heutige Präsidentschaftskandidat erhielt für die Ereignisse des fraglichen Tages später zwei Orden (Bronze Star und Purple Heart). Während die Mehrheit von Kerrys Besatzungsmitgliedern immer wieder betont, wie mutig und besonnen sich ihr Kommandant verhalten habe, erheben die Kapitäne mehrere anderer damals beteiligter Boote schwere Vorwürfe gegen den Senator.

Kerry hat sich seine Orden nach Darstellung der Ex-Soldaten, die in der Swift-Boat-Gruppe organisiert sind, durch Falschaussagen erschlichen und sich zudem weitaus weniger heroisch verhalten, als von seinen PR-Managern behauptet. Eine umfassenden Untersuchung der Vorgänge durch die "Washington Post" stärkt dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten jedoch den Rücken. Zwar sei es nach 35 Jahren äußerst schwierig, alle Details der damaligen Vorgänge zu überprüfen, so das Blatt in seiner Sonntagsausgabe. Auch hätten beide Seiten ein unvollständiges und teils lückenhaftes Bild der Geschehnisse vom 13. März gezeichnet. "Doch obwohl Kerrys Gegner es geschafft haben, Zweifel an seinen Kriegsleistungen zu wecken, ist es ihnen nicht gelungen, .., ihm eine Lüge nachzuweisen."

Kerrys Darstellung seiner Militärzeit wurde am Sonntag auch von einem Redakteur der Zeitung "Chicago Tribune" bestätigt, der als Augenzeuge bei einem Einsatz im Vietnam-Krieg am 28. Februar 1969 dabei war. Auch für diesen Einsatz wurde der demokratische Kandidat später ausgezeichnet. Es sei nicht wahr, dass Kerrys Leistungen überbewertet worden seien, schrieb William Rood in einem 1750 Wörter langen Artikel in der Sonntagsausgabe seiner Zeitung. Rood hatte sich zuvor nicht zu dem Thema äußern wollen. Die unlauteren Angriffe auf den Senator hätten ihn nun jedoch bewogen, sein Schweigen zu brechen. Wie weiter bekannt wurde, haben die Ausgaben für die US-Wahlen in diesem Jahr ein Rekordhoch erreicht. Laut Unterlagen der Wahlbehörde haben die Präsidentschaftsbewerber sowie Kandidaten für die Kongresswahl und die Parteikomitees trotz verschärfter Vorschriften zur Wahlkampffinanzierung in diesem Wahlzyklus bereits mehr als eine Milliarde Dollar ausgegeben. Allein Bush listete in einem am Freitag vorgelegten Bericht 209 Millionen Dollar (170 Millionen Euro) auf, die er bis Ende Juli in die Kampagne für seine Wiederwahl investierte. Kerry meldete den Wahlbehörden bis Ende Juli Ausgaben von rund 186 Millionen Dollar (151 Millionen Euro).

Thomas Hillenbrand

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