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31.08.2004
 

Kehrtwende

Bush glaubt nun doch an Sieg im Kampf gegen Terror

Es hörte sich an wie eine Kapitulation: Der Krieg gegen den Terrorismus sei nicht zu gewinnen, sagte George W. Bush zum Auftakt des Republikaner-Parteitags. Überraschende Töne vom US-Präsidenten. Die Demokraten rieben sich die Hände, das Weiße Haus bemühte sich sofort um Schadensbegrenzung. Jetzt behauptet Bush das glatte Gegenteil.

Bush bei einem Wahlkampfauftritt in Michigan: Zweifel an der Führungsstärke
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AP

Bush bei einem Wahlkampfauftritt in Michigan: Zweifel an der Führungsstärke

Washington/New York - Der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, beeilte sich, die Äußerungen seines Chefs richtig zu stellen. Die Aussage von Bush, der Terrorismus könne nicht vollständig bezwungen werden, dürfe natürlich nicht wörtlich verstanden werden. Der Präsident habe sich lediglich auf einen Sieg im konventionellen Sinne bezogen und darauf hinweisen wollen, dass die Schlacht gegen den Terror "eine andere Art von Krieg ist und wir einem unkonventionellen Feind gegenüberstehen", erklärte McClellan, der Bush gestern auf dessen Wahlkampftour in den Staaten New Hampshire und Michigan begleitete.

Heute nun revidierte Bush selbst seine Aussage. "Es ist ein Krieg, den wir nicht begonnen haben, aber wir werden ihn gewinnen", sagte er in Nashville vor dem größten US-Veteranenverband. "Wir werden wohl nie an einem Friedenstisch sitzen, aber eines ist klar: Wir werden gewinnen, indem wir in der Offensive bleiben."

Bushs demokratischer Herausforderer John Kerry, zuletzt selbst in der Defensive, nutzte die Steilvorlage des Präsidenten natürlich sofort zu Angriffen gegen seinen Kontrahenten. Kerrys Sprecherin Allison Dobson erklärte triumphierend: "Jetzt sagt er, wir können den Krieg gegen den Terror nicht gewinnen. Ist das die beständige Führung, von der (Bushs politischer Stratege) Karl Rove spricht?"

Und Kerrys Vizepräsidentschaftskandidat John Edwards höhnte im Fernsehsender ABC: "Was wäre gewesen, wenn Präsident Ronald Reagan gesagt hätte, es sei schwierig, den Krieg gegen den Kommunismus zu gewinnen. Oder wenn ein anderer Präsident gesagt hätte, es sei schwer, den Krieg zu gewinnen - den Kalten Krieg?" Und weiter erklärte Edwards: "Der Krieg gegen den Terrorismus ist eindeutig zu gewinnen."

Über Monate hätten die Republikaner "mit ihrer einzigartigen Fähigkeit" Wahlkampf betrieben, den Kampf gegen den Terrorismus gewinnen zu können, sagte Edwards. "Das ist jetzt nicht die Zeit, die Niederlage einzuräumen."

Mit seiner Äußerung in einem Interview des TV-Senders NBC störte Bush freilich auch die Parteitagsregie. Die Republikaner priesen den Präsidenten zum Auftakt ihres Konvents in New York als starken Anführer im internationalen Kampf gegen den Terror. In emotionalen Reden erinnerten führende Vertreter der konservativen Partei an die Anschläge vom 11. September 2001, bei denen in New York und Washington fast 3000 Menschen starben.

Bushs entschiedener Kampf gegen den Terrorismus verdiene Unterstützung und Bewunderung, sagte Senator John McCain. Dieser Kampf sei ein "ein Kampf zwischen Gut und Böse, richtig und falsch", rief der zur Zeit der Anschläge amtierende Bürgermeister von New York, Rudolph Giuliani, seinen Parteifreunden zu.

Heute sollen Bushs Ehefrau Laura sowie der ehemalige Filmheld und heutige Gouverneur des Bundesstaates Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, die Hauptredner sein. Damit sollte nach Ansicht von Beobachtern die private und sanftere Seite des Präsidenten in den Mittelpunkt des Parteitages gerückt werden. "Menschen des Mitgefühls" lautet das Thema des zweiten Abends, an dem es auch um Bildung, das Gesundheitssystem und die Wirtschaftspolitik gehen soll. Die Republikaner hoffen so, noch unentschlossene Wähler aus der politischen Mitte für sich gewinnen zu können.

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