New York - Bei den schweren Krawallen 1968 anlässlich des damaligen Parteitages der Demokraten hatte die Polizei in Chicago "nur" 589 Aktivisten in Handschellen abgeführt - diesmal also 1760. Angesichts der weitgehend friedlichen Proteste zeigten sich Beobachter erstaunt über diese Bilanz. Nach den gestrigen Massenfestnahmen - offiziellen Angaben zufolge 1191 - ließ die Polizei heute Milde walten und sperrte nur noch 19 Teilnehmer von Protestaktionen ein.
Auch die Stadt geriet wegen der Unterbringung der Demonstranten in einem ausrangierten Busbahnhof derweilen in die Kritik. Das Gebäude macht wegen seiner angeblichen Verseuchung mit Asbest und Motorenöl sowie des mutmaßlich rauen Vorgehens der Polizei als "Guantanamo am Hudson" Schlagzeilen. Die New Yorker Gesundheitsbehörde prüfte die Luftqualität und fand nichts zu beanstanden. Viele der Betroffenen prangerten jedoch an, sie seien dort zu lange festgehalten worden, ohne dass es zu einer formellen Beschuldigung gekommen sei. Die Polizei erklärte dagegen, die Festsetzung habe in keinem Fall länger als acht Stunden gedauert. Gelegentlich war auch von Misshandlungen seitens der Sicherheitskräfte die Rede. Dies wurde von der Polizei jedoch entschieden zurückgewiesen.
Die Sicherheitskräfte benutzen zwar keine Gewalt, aber doch sehr subtile Methoden, um Protestbekundungen zu unterdrücken, erklärte heute der Anwalt Leonard Weinglass. Auch Donna Lieberman von der New Yorker Union für Bürgerrechte akzeptierte, dass die Polizei nicht mit Brutalität gegen die Demonstranten vorgegangen sei. So sei niemand mehr vor laufenden Kameras zusammengeschlagen worden, wie das bei früheren Parteitagen mitunter der Fall gewesen sei.
Dennoch sei das Vorgehen in vielen Fällen unangemessen gewesen. "Die Polizei ist offenbar darauf getrimmt worden, so viele Leute wie nur möglich festzunehmen", vermutete Lieberman. "Und das hat sie dann auch prompt getan."
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