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01.10.2004
 

Fernsehduell

Kühler Kerry, souveräner Bush

Es war die wichtigste TV-Debatte des Jahres. Anderthalb Stunden lang diskutierten der US-Präsident und sein Herausforderer in dieser Nacht in Miami. Während der Aspirant Kerry detailreich argumentierte, gab sich der Amtsträger Bush als Mann des Volkes: souverän, mitfühlend und mit verschmitztem Humor.

John Kerry und George W. Bush: 90 Minuten Debatte über die Außenpolitik
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AP

John Kerry und George W. Bush: 90 Minuten Debatte über die Außenpolitik

Coral Gables - Am frühen Morgen deutscher Zeit hat die TV-Debatte zwischen George W. Bush und seinem demokratischen Herausforderer John Kerry auf dem Campus der Universität Miami stattgefunden. Die Kontrahenten schüttelten sich freundlich lächelnd die Hände, und dann startete ohne große Umschweife die Debatte.

Als erster Redner sprach Kerry. Und es ging gleich um die Irak-Frage. "Der Präsident hat einen kolossalen Irrtum begangen", bekräftigte er seine ablehnende Haltung zum Irak-Krieg. Das Zentrum des Terrors sei nicht der Irak, sondern Afghanistan. "Ich kann Amerika sicherer machen als Präsident Bush." Die USA müssten sich verstärkt um breitere Bündnisse im Kampf gegen den internationalen Terrorismus bemühen. Nur eine solche Politik werde auch die USA sicherer machen.

Bush antwortete: "Ich wache jeden Morgen mit dem Gedanken auf, wie Amerika am besten geschützt werden kann. Das ist mein Job!" Das amerikanische Volk wisse, dass er führen könne. Der Welt gehe es besser ohne Saddam Hussein, griff er sarkastisch einen früheren Ausspruch Kerrys auf. Er brauche niemanden, der ihm sage, er solle sich an die Uno wenden. Das könne er selbst.

Die USA müssten auch weiterhin im Kampf gegen den Terrorismus eine offensive Politik verfolgen, sagte Bush. "Mein Gegner denkt ständig um", warf Bush Kerry vor, "das kann man nicht als Präsident." Den Vorwurf der Wankelmütigkeit wiederholte er - wie schon im Wahlkampf - genüsslich mehrfach. Die US-Truppen würden den Irak erst dann verlassen, wenn die Iraker selbst für die Sicherheit verantwortlich sein könnten und das Land frei und stabil sei. "Was für eine Nachricht ist das, die mein Gegner unseren Truppen gibt: 'Falscher Krieg, falscher Ort, falsche Zeit'. Keine Nachricht, die ein Oberbefehlshaber gibt."

"Wir müssen doch jetzt Lösungen erarbeiten", konterte Kerry. "Ich habe einen Plan, wie wir diesen Krieg beenden können. Der Präsident hat keinen." Bushs Devise sei: Weiter so. Seinen Meinungsumschwung in Sachen Irak-Krieg verteidigte er mit den Worten: "Man muss doch seine Meinung ändern können, wenn neue Erkenntnisse auf den Tisch kommen." Den Bush-Vorwurf, wankelmütig zu sein, wies er zurück.

Auch zu Nordkorea, Iran und Russland vertraten Bush und Kerry entgegengesetzte Positionen. Kerry hielt dem Präsidenten vor, dass in seiner Amtszeit Nordkorea und Iran Fortschritte mit ihren Atomwaffenprogrammen gemacht hätten. Er werde standfest und entschlossen führen, und die USA seien im Irak zum Erfolg verurteilt. Es sei zwar ein Fehler gewesen, den Krieg anzufangen, nun könne man sich aber kein Scheitern leisten. "Ich weiß, dass wir Erfolg haben können", sagte Kerry. "Ich glaube aber nicht mit diesem Präsidenten." Bush sagte, Kerry habe diesmal eine stimmigere Position vertreten. Aber: "Das einzige Beständige an der Position meines Kontrahenten ist, dass er unbeständig ist."

Bush verfolgte die Vorwürfe seines Gegners mit einer manchmal missmutigen Miene, sah hin und wieder angewidert weg. Kerry machte sich oft Notizen, wenn der Präsident sprach. Anfänglich hatten beide nervös gewirkt, was sich jedoch bald legte.

Kerry versuchte, mit Fakten und detailreichen Ausführungen bei den Zuschauern zu punkten. Bush setzte auf die emotionale Karte: "Wir haben einen riesigen Berg erklommen. Nun sehe ich das Tal unten liegen. Es ist ein Tal des Friedens."

Beim Thema Sudan waren Bush und Kerry relativ nahe beieinander. Bush sprach sich gegen die Entsendung von US-Truppen in das afrikanische Land aus. Die Regierung des Sudans müsse durch internationalen Druck dazu gebracht werden, den Völkermord in der Provinz Darfur zu stoppen. Auch Kerry wandte sich gegen US-Truppen in dem Krisengebiet.

Das Podium war in der Basketball-Halle der Universität Miami aufgebaut, die beiden Kandidaten wurden im Stehen von dem Fernsehjournalisten Jim Lehrer befragt.

Jeder Kandidat hatte 90 Sekunden für seine Antwort und 30 Sekunden, um seinem Konkurrenten zu entgegnen. Insgesamt dauerte das Streitgespräch 90 Minuten. Es wurde landesweit im Fernsehen übertragen und dürfte bis zu 50 Millionen Zuschauer erreicht haben.

Miami: Eingang der Universität
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AFP

Miami: Eingang der Universität

Die insgesamt drei Fernsehdebatten zwischen den beiden Kandidaten könnten eine entscheidende Rolle spielen, weil sich Umfragen zufolge rund ein Viertel der Wähler davon beeinflussen lassen. Auf das heutige erste persönliche Aufeinandertreffen der beiden folgen noch zwei weitere: am 8. und 13. Oktober. Am kommenden Dienstag treffen die Vizepräsident Dick Cheney und Kerrys Kandidat für das Stellvertreteramt, John Edwards, aufeinander.

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