Warschau/Bagdad - Zwei bewaffnete Männer stehen hinter der Frau, deren Vorname Teresa ist. Einer von ihnen richtet sein Gewehr auf ihren Kopf, während die Geisel in die Kamera spricht. Jedenfalls bewegt sich ihr Mund, ihre Stimme ist auf dem Band nicht zu hören. Nach Angaben von al-Dschasira sagt sie, dass sie schon seit längerem im Irak lebe. Außerdem fordert sie angeblich die polnischen Truppen auf, den Irak zu verlassen. Derzeit sind rund 2500 polnische Soldaten in dem Land stationiert. Außerdem verlangt sie von US-amerikanischen und irakischen Verantwortlichen, alle weiblichen Häftlinge im Gefängnis von Abu Ghureib freizulassen.
Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE arbeitete die Frau nicht für die polnischen Streitkräfte, sondern für eine Firma, die ihre Dienste der US-Luftwaffe im Irak anbot. Mitte der neunziger Jahre arbeitete sie ein Jahr lang für die polnische Botschaft in Bagdad. Das Außenministerium in Warschau bestätigte irakische Regierungsangaben, wonach die Entführte seit rund 30 Jahren im Irak lebt, mit einem Iraker verheiratet ist und sowohl einen polnischen als auch einen irakischen Pass hat. Ihr Mann hält sich diesen Angaben zufolge derzeit in Polen auf.
Noch bevor die Identität der Geisel bekannt war, ließ die polnische Regierung - einer der engsten Verbündeten der USA im Irak - verlauten, dass sie den Forderungen der Entführer nicht nachgeben wolle. "Es ist nicht an Polen, den Forderungen von Geiselnehmern nachzukommen", hatte Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski dem Privatsender TVN24 gesagt.
Polens Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz erklärte dagegen vor der Krisensitzung im Büro von Premierminister Marek Belka, seine Regierung werde "alles tun", um die Entführte zu befreien. Allen polnischen Staatsbürgern mit Reiseabsicht in den Irak riet er, vor Antritt der Reise das Außenministerium in Warschau zu informieren. Im Irak lebende Polen forderte er auf, sich umgehend bei der polnischen Botschaft in Bagdad zu melden. Den knapp 20 in und um Bagdad lebenden Polinnen legte er nahe, den Irak zu verlassen.
Bereits Anfang Juni war ein polnischer Staatsbürger im Irak entführt worden. Jerzy Kos, Mitarbeiter einer Baufirma, wurde jedoch eine Woche später von US-Truppen befreit.
Die Extremistengruppe mit dem Namen "Abu-Bakr-al-Sadik-Brigaden" hatte im September behauptet, zehn Türken im Irak entführt zu haben. Diese wurden in diesem Monat wieder freigelassen.
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