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07.12.2004
 

Chauvinismus

Wie Frauen im britischen Unterhaus fertig gemacht werden

Sexistische Sprüche, Beleidigungen und rüpelhaftes Verhalten: Den sprichwörtlichen britischen Gentleman sucht man im Unterhaus in London oft vergeblich. Eine Wissenschaftlerin hat untersucht, wie sich Abgeordnete in Westminster ihren Kolleginnen gegenüber verhalten. Das Ergebnis ist erschreckend.

Blair's Babes: Premier Blair umringt von seinen weiblichen Abgeordneten
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DPA

Blair's Babes: Premier Blair umringt von seinen weiblichen Abgeordneten

London - Wenns um Politik geht, bleiben die Herren offenbar gern unter sich. Nichts gegen eine hübsche Sekretärin oder eine nette Praktikantin - aber eine weibliche Abgeordnete, eine gleichberechtigte Kollegin?

Mehr als hundert Stunden lang hat die Soziologin Joni Lovenduski vom Birkbeck College weibliche Abgeordnete über ihre Erfahrungen im britischen Unterhaus befragt. Sie sprach nach einem Bericht des "Guardian" mit 83 aktuellen und ehemaligen Abgeordneten. Heraus kam ein wahres Horrorszenario.

So berichtete etwa Gillian Sheppard, Tory-Abgeordnete, von einem ihrer ersten Erlebnisse im Parlament: Als sie 1987 dort anfing, gab es einen konservativen Abgeordneten, der sie ständig "Betty" nannte. "Als ich ihm sagte, mein Name sei nicht Betty, antwortete er: Ach, ihr seid doch alle gleich, also nenne ich euch alle Betty, das ist einfacher."

Eine andere Abgeordnete berichtete:"Ich kann mich gut an einige Konservative erinnern. Immer wenn eine Labour-Abgeordnete sprach, fassten diese Männer sich an ihre imaginären Brüste, wackelten damit und sagten "Melonen" während wir sprachen."

Auch heute noch raten viele männliche Abgeordete ihren Kolleginnen, sie sollten sich gefälligst um Frauenthemen kümmern: Gesundheit und Erziehung. Versucht sich die eine oder andere in typischen Männerdomänen, muss sie mit Beleidigungen und entwürdigendem Verhalten rechnen. Wie zum Beispiel Glenda Jackson, als sie im Unterhaus über Verteidigungspolitik sprach. Ihr rief ein Tory-Kollege zu: "Bleib bei dem, wovon du was versteht, Glenda."

Dari Taylor war als Labour-Abgeordnete sogar im Verteidigungsausschuss - eine von nur zwei Frauen. Als sie die Brocken entnervt hinwarf, stand der Vorsitzende, Bruce George, auf und sagte:"Also, ich habe eine Ankündigung zu machen: eine haben wir klein gekriegt, die andere ist weg."

Auch die Männer, so schreibt der "Guardian" weiter über die Studie, die öffentlich gern die Gleichberechtigung unterstützen, werden spätestens dann sauer, wenn eine Frau Karriere macht. Die Abgeordnete Harriet Harman erinnete sich an einen Kollegen, der ihr vorwarf: "Du hast doch nur gewonnen, weil du eine Frau bist."

Ein aktuelles weibliches Kabinetts-Mitglied erlebte gar den Klassiker schlechthin, als es in die Regierung aufstieg: "Oh, Sie haben ja eine rasante Karriere hingelegt," wurde sie angesprochen. "Mit wem haben sie dafür geschlafen?"

Westminster: Sonnenuntergang hinter dem Parlamentsgebäude
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AFP

Westminster: Sonnenuntergang hinter dem Parlamentsgebäude

Eine andere Abgeordnete, die anonym bleiben wollte, berichte in der Studie sogar von körperlicher Gewalt. Sie hatte es organisiert, dass sich einige Frauen zusammengeschlossen hatten, um in einen Ausschuss der Labour-Partei zu gelangen. Anschließend habe ein Minister sie buchstäblich am Genick gepackt, gegen die Wand in der Lobby gedrückt, und sie mit den Worten angeschrieen: "Jetzt seid ihr zu weit gegangen, jetzt seid ihr zu weit gegangen."

Vor Jahrzehnten, als überhaupt die ersten Frauen als Abgeordnete in Westminster auftauchten, muss es noch schlimmer gewesen sein. Damals verwehrten sogar Saaldiener den Frauen den Zutritt, weil sie sich weibliche Abgeordnete nicht vorstellen konnten.

Möglicherweise, so sehen es die Frauen heute, haben sie sich vor Jahren selber einen großen Bärendienst erwiesen - mit dem berühmten Foto "Blair's Babes", auf dem der frisch gekürte Premier umringt von seinen weiblichen Abgeordneten zu sehen ist. Yvette Cooper sagt heute, "das war ein großer, großer Fehler. Wir hätten dafür nie posieren sollen." Viele von ihnen denken heute, das Foto habe sie und ihre Aufgabe banalisiert.

Die Studie hält fest, dass es in den vergangenen Jahren durchaus eine Veränderung durch die Frauen in Westminster gegeben habe. Aber sie sagt auch, dass das nicht so bleiben müsse - falls in der nächsten Legislaturperiode wieder weniger Frauen im Parlament säßen, könne die Welt sich dort durchaus zurück drehen.

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