Washington - Ob er sich beleidigt gefühlt habe, als Jan Egeland die Hilfe der USA und anderer reicher Nationen als zu geizig bezeichnete, wurde Bush auf seiner Pressekonferenz von einem Journalisten gefragt. Egeland ist immerhin der Chef-Hilfskoordinator der Vereinten Nationen.
Die Antwort des Präsidenten war deutlich: "Töricht und schlecht informiert" sei "die Person" wohl gewesen, schimpfte er und wartete umgehend mit Zahlen auf: Allein in diesem Jahr habe die US-Regierung 2,4 Milliarden an Hilfe für Naturkatastrophen aufgebracht. Das seien 40 Prozent der weltweiten Hilfe gewesen. Bei der Soforthilfe für die Tsunami-Opfer vermeidet Bush nun demonstrativ die Zusammenarbeit mit der Uno. Stattdessen setzt er auf eine eilends geschmiedete Notfallallianz mit Indien, Japan und Australien.
Dabei hatte Egeland nichts anderes getan, als darauf aufmerksam zu machen, dass sich die reichsten Nationen der Welt, allen voran die USA, bei internationaler Hilfe alles andere als großzügig zeigten. Eine Äußerung, die freilich zu dem Zeitpunkt, zu dem sie gemacht wurde, nur zu leicht missverstanden werden konnte. Denn Egeland bezog sich in seiner Kritik nicht auf Soforthilfe, sondern auf langfristige Entwicklungshilfe.
Und hier sieht die Bilanz der Vereinigten Staaten nach Ansicht von Uno-Experten weit weniger rosig aus: Bei der offiziellen staatlichen Entwicklungshilfe für die Dritte Welt bilden die Amerikaner mit einem Anteil von lediglich 0,14 Prozent ihres Bruttosozialprodukts das Schlusslicht aller Industriestaaten. In der Uno-Zentrale in New York wird Bushs heftige Gegenwehr daher auch entsprechend interpretiert. "Das fällt bei uns in die Rubrik 'Getroffene Hunde bellen'", heißt es.
Jeder falsche Schritt ein Bumerang
Aber auch im eigenen Land wird der wieder gewählte Präsident äußerst kritisch beäugt. Die Flutwelle habe die Bush-Regierung wohl "auf dem falschen Fuß erwischt", bemerkte die "Washington Post" heute in ihrem Leitartikel. Auch dass Bush weiter abgeschirmt von der Hektik der Katastrophenhilfe auf seiner Privatranch in Crawford verharre, stieß der Zeitung negativ auf. Während Regierungschefs wie Gerhard Schröder oder Uno-Generalsekretär Kofi Annan ihren Urlaub abgebrochen haben, stutze Bush "das Buschwerk auf seiner Ranch oder fährt Fahrrad", bemängelte das Blatt.
Die "New York Times" drängte die Bush-Regierung, angesichts des fast biblischen Ausmaßes der Katastrophe, das durch den Irak-Krieg beschädigte Bild Amerikas in der Welt zurecht zu rücken. Präsident Bushs Reaktion in den nächsten Wochen könne sehr wohl über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, internationale Beziehungen, "die durch eine dreijährige Konzentration auf Terrorismus strapaziert wurden, wieder zu reparieren", argumentierte das Blatt.
Jeder falsche Schritt der USA in dieser Situation, lautete eine weitere Warnung, könnte insbesondere in politisch instabilen Ländern wie Indonesien mit seiner muslimischen Bevölkerungsgruppe wie ein Bumerang wirken und islamische Extremisten nur stärken. "Der Krieg der Wahrnehmung" über Amerikas tatsächliches Wesen werde für die asiatischen Länder mit darüber entscheiden, ob Bush der Tsunami-Tragödie die gleiche Kraft widme wie der internationalen Anti-Terror-Koalition.
"Wir sind eine großzügige, gutherzige Nation", entgegnete Bush gestern auf die Kritik aus der Uno. Auf die gegenwärtige Katastrophe werde man eine "für Amerika typische Antwort" sehen. Zunächst versprach er 35 Millionen Dollar Soforthilfe, sieben Millionen mehr als etwa das wesentlich kleinere Deutschland. Aber die USA würden auch darüber hinaus helfen, versprach Bush. "Dies ist erst der Anfang."
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