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21.01.2005
 

Bushs Amtsantritt

Amerika bejubelt seinen Freiheitskämpfer

Von Hans Michael Kloth und Volker ter Haseborg, Washington

In seiner zweiten Amtszeit will US-Präsident George W. Bush das "Feuer der Freiheit" in die Welt tragen. Das Publikum bei seiner Amtseinführung bejubelte sein Versprechen und huldigte dem politischen Missionar. Proteste gegen den Siegestaumel der Republikaner blieben ein pittoreskes Randphänomen.



Bush bei der Parade in Washington: "Ein großer Tag für Amerika"
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DPA

Bush bei der Parade in Washington: "Ein großer Tag für Amerika"

Washington - Die Wintersonne scheint gnädig auf das ergraute Haupt des wiedergewählten Präsidenten, als George Walker Bush am Donnerstag kurz vor High Noon auf der Westterrasse des Kapitols den traditionellen Amtseid ablegt - diesmal, wie er selbst zuvor versichert hatte, um einiges entspannter als beim ersten Mal vor vier Jahren.

Noch tags zuvor war ein schwerer Schneesturm über Washington gefegt, der die amerikanische Hauptstadt in ein Verkehrchaos gestürzt und die Vorbereitungen für den politischen Höhepunkt in letzter Minute durcheinander gebracht hatte. Doch am Tag der Amtseinführung erwachte das urplötzlich winterweiße DC unter einem eisklaren, wolkenlosen Himmel - und die vielen angereisten Fans des Präsidenten, die schon um ihren großen Tag gefürchtet hatten, nehmen dies gerne als Omen.

"Dies ist ein großer Tag für Amerika", strahlt im Schneematsch auf dem Kapitolsrasen Adam McManus, der eigens zu Bushs Amtseinführung nach Washington gekommen ist. "Heute feiern wir unsere christlichen Werte und unsere Freiheit."

Von seinem Stehplatz kann McManus seinen Präsidenten vorne auf der Terrasse des Kongressgebäudes bestenfalls erahnen. Eine farbige Sopranistin preist dort in den höchsten Tönen die Nation, gleich zwei Geistliche erflehen Gottes Segen für den Präsidenten und beten für die Stärke Amerikas. Dann bellt Bush mit knapper Entschlossenheit die Eidesformel nach, die ihm der schwerkranke Verfassungsrichter William Rehnquist vorliest. 21 Böllerschüsse hallen über die National Mall, und eine Viertelmillion Menschen stimmen die Nationalhymne an, Hand auf dem Herz.

Ein uramerikanischer Moment

Inauguration Day ist ein uramerikanischer Moment, eines dieser aufgeladenen Symbole, mit denen Amerika seine jahrhundertealte Demokratie zelebriert und die für seine Bürger eine ganz spezielle Magie haben. Es ist ein mit Pomp, Pathos und Patriotismus garnierter Verwaltungsakt - aber auch ein Karneval der Demokratie, eine kunterbunte Bürgerdemonstration für die beste aller schlechten Regierungsformen, als deren Heimatland sich Amerika versteht.

Mehr als zuvor ist diese Inauguration diesmal aber auch eine Siegesfeier des "roten", des republikanischen Amerika über das "blaue", demokratische. Bushs weiße Mittelklassewähler sind in Scharen aus der Provinz zur großen Sause in Washington eingefallen, Cowboyhüte und andere Insignien des ländlich-kleinstädtischen Amerika prägen für die Tage der Festivitäten das Straßenbild der Hauptstadt. Bei der Wahl stimmten Washingtons Wähler zu 90 Prozent für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten - in diesen Tagen aber feiern die Bush-Anhänger genau hier mit einer unüberschaubaren Anzahl von Bällen, Empfängen, Candlelight-Dinners und Luncheons voll demonstrativer Lust an der Provokation ihren Triumph. "Geh' zurück nach Massachussetts!", gröhlt Adam McManus, als auf der Großbildleinwald die Kamera vom Präsidenten auf seinen unterlegenen Herausforderer John F. Kerry schwenkt.

Bushs Soundbyte für die Geschichtsbücher

Bushs Antrittsrede: "Feuer der Freiheit"
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AFP

Bushs Antrittsrede: "Feuer der Freiheit"

Dann spricht das alt-neue Staatsoberhaupt zu seinem Volk, und alle wissen, dass die Worte, die Bush wählen wird, schwer wiegen. Antrittsreden amerikanischer Präsidenten wandern nicht ins Altpapier, sondern werden in Stein gemeißelt - wie Abraham Lincolns zweite inaugural address von 1863, die eine ganze Wand seines riesigen Denkmals am anderen Ende der National Mall gegenüber dem Kapitol ziert und deren Schlüsselstelle jedes amerikanische Schulkind zitieren kann. Kennedys programmatisches "Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann" oder George Bush seniors "freundlicheres, sanfteres Amerika" - bei ihrer Amtseinführung suchen US-Präsidenten seit jeher ihre politische Philosophie auf eine griffige, wenn möglich historische Formel zu bringen.

Bushs Soundbyte für die Geschichtsbücher ist das "Feuer der Freiheit", welches "jene wärmt, die seine Macht spüren, jene verbrennt, die seine Ausbreitung bekämpfen" und das nach dem Willen des mächtigsten Mannes der Welt "die dunkelsten Ecken unserer Welt" erreichen soll. Erst einmal wärmt solche Rhetorik die frierenden Massen zu seinen Füßen. Doch auch Kritiker der US-Außenpolitik liefert Bush ihr Gran Hoffnung, denn die Demokratie soll immerhin "nicht in erster Linie" mit Waffengewalt verbreitet werden: In der Natur der Freiheit liege es schließlich, dass sie niemandem aufgezwungen werden könne. "Wir ehren eure Freundschaft, wir sind angewiesen auf euren Rat, wir sind abhängig von eurer Hilfe", streicht Bush den zahlreichen Zweiflern unter den US-Verbündeten Balsam auf die Seele.

Schneebälle gegen Demonstranten

Auf derartige Nettigkeiten können heimische Bush-Kritiker nicht rechnen - nicht vom Präsidenten und erst recht nicht von seinen Fans. Als eine Handvoll Kriegsgegner, die trotz der Sicherheitsvorkehrungen bis kurz vor die Tribüne gelangt sind, "Bring the troops home" skandieren, schallt aus dem Publikums zurück: "Four more years! Four more years!" "Der hab' ich's gegeben", freut sich auch eine pelzbemützte Mittvierzigerin, die in der zurückströmenden Menschenmenge gerade eine Demonstrantin mit einem "Bush lügt"-Schild von der Seite angeblafft hat.

Zwei andere Protestierer, die an der Paradestrecke ein "God save America from Bush"-Plakat und ein Poster mit einem durchgestrichenen "W" hochhalten, werden Zielscheibe einer republikanischen Schneeballattacke. "Gerade noch haben sie Bushs Appell an die Freiheit bejubelt", ärgert er sich Demonstrant Neal Larsson, "Jetzt beschimpfen sie Leute, die sich die Freiheit nehmen, eine andere Meinung zu haben als sie."

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