Nizza - Ausführlich lobt Rumsfeld die französische Gastfreundschaft an der Cote d'Azur, schwärmt von früheren Urlauben in Nizza mit seiner Frau und seinem ersten Aufenthalt in der Stadt als US-Soldat 1951. Kein abfälliges Wort kam Rumsfeld in Nizza über die Lippen. "Ich habe diese Höhen und Tiefen in den Beziehungen innerhalb der Nato seit Jahren erlebt. Sie haben sogar einen gewissen Rhythmus. Es ist nicht überraschend, dass es von Zeit zu Zeit Unstimmigkeiten und unterschiedliche Sichtweisen gibt", sagte der US-Verteidigungsminister.
Über die Gegner des Irak-Krieges, die er vor knapp zwei Jahren noch verächtlich als "altes Europa" bezeichnet hatte, sagte Rumsfeld nun gut gelaunt: "Jedes Land ist sowohl ein souveräner Staat,der seine eigenen Entscheidungen trifft, als auch Mitglied eines sehr erfolgreichen Bündnisses. Ich glaube, dass Staaten ihre Entscheidungen immer im Sinne ihrer eigenen Interessen treffen."
"Nicht jeder muss alles machen", sagte Rumsfeld weiter. "Im Irak beispielsweise haben wir Länder, die im Irak ausbilden, solche, die außerhalb ausbilden und andere, die Geld geben." Es gebe verschiedene Möglichkeiten, etwas zu tun. "Die Nato tut vielleicht nicht immer sofort das Richtige, aber nach einiger Zeit trifft sie dann doch immer die richtigen Entscheidungen. Sie hätte nicht all die Jahre so erfolgreich sein können, wenn sie das nicht getan hätte." In dem Bündnis "passieren jede Menge guter Dinge." Ohnehin sei die Nato das 2weltbeste Militärbündnis."
Der deutsche Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) registrierte Rumsfelds Auftritt mit Genugtuung. hatte "Die Vergangenheit ist vergessen, was die Diskussion über den Irak angeht. Alle diskutieren nach vorne, auch diejenigen, die uns kritisiert haben wegen unserer Position. Wir haben ein normales gutes Verhältnis mit Amerika und erst recht mit Großbritannien. Und das ist eine gute Grundlage für die weitere Arbeit."
Nach den Worten Strucks hat sich "auch der Kollege Rumsfeld" sehr lobend über die Ausbildung irakischer Militärs und Polizisten durch Deutschland außerhalb des Iraks geäußert. Auf die Frage, ob Rumsfeld "Kreide gefressen" habe, sagte er: "Ich weiß nicht, ob der jemals Kreide fressen kann. Aber er ist auch ein Freund klarer Worte. Und in diesem Fall waren es erfreuliche Worte für uns."
Die französische Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie begrüßte den neuen Ton in den transatlantischen Beziehungen. "Aber ich halte es nicht für gut, wenn wir den Streit vergessen." Auseinandersetzungen wie jene über die Nicht-Beteiligung am Irak- Krieg seien letztlich etwas, was die Stärke der Nato ausmache.
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