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19.03.2005
 

Reformversuch in New York

Weltweite Empörung über muslimische Vorbeterin

Islamische Gelehrte in Ägypten und Saudi-Arabien sind entzürnt, weil in New York erstmals eine Frau ein gemischtes Freitagsgebet leitete. Der Reformversuch einer Islamwissenschaftlerin wurde als Verschwörung der USA gebrandmarkt. Eine Professorin für islamisches Recht warf der Vorbeterin gar den Abfall vom wahren Glauben vor.

Wadud beim Gebet: "Sie beflecken den Islam"
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AP

Wadud beim Gebet: "Sie beflecken den Islam"

New York - In Ägypten berichteten einige Zeitungen heute über das von Amina Wadud geleitete Freitagsgebet sogar in großer Aufmachung auf der ersten Seite. "Sie beflecken den Islam", titelte das Blatt "al-Massa". Auch die arabischen Satellitensender al-Dschasira und al-Arabiya widmeten dem einzigartigen Reform-Vorstoß ausführliche Sendezeit. In der gesamten islamischen Welt gab es harsche Reaktionen auf diesen Verstoß gegen die islamische Tradition. Öffentliche Unterstützung äußerte niemand.

Auslöser der Empörung: Amina Wadud, eine Professorin für Islamwissenschaften an der Virginia Commonwealth Universität, hatte gestern als erste Frau das traditionelle islamische Freitagsgebet geleitet. Auch Männer hatten daran teilgenommen. Das Gebet fand in einer Kirche in New York statt, weil drei zuvor angefragte Moscheen das Ansinnen abgelehnt hatten. Auch eine Kunstgalerie, die als Ersatzort eingeplant war, sagte wegen einer Bombendrohung im letzten Moment ab. Das Freitagsgebet, das für Muslime besonders wichtig ist, wird traditionell ausschließlich von Männern geleitet, wenn andere Männer mitbeten. Wadud hatte vor einer aus Männern und Frauen bestehenden, rund 60-köpfigen Gemeinde das Gebet angeleitet. Normalerweise herrscht in islamischen Gebetshäusern strikte Geschlechtertrennung.

Eine ägyptische Professorin für islamisches Recht verurteilte die Tat Waduds als Sünde und warf ihr vor, vom Glauben abgefallen zu sein. Nach islamischen Recht ist das die denkbar schwerste Anschuldigung, auf die theoretisch die Todesstrafe steht. Als Begründung führte die Professorin an, dass ein weiblicher Körper in Männern Verlangen erwecke, deswegen dürften Frauen das Gebet nicht führen. Andere Kritiker vertraten die Ansicht, Wadud sei Teil einer US-Verschwörung, die darauf abziele, den Islam zu einer säkularisierten, amerikanischen Religion zu machen und dadurch zu schwächen.

Wadud sieht Musliminnen benachteiligt

Die Organisatoren der bewusst provokanten Veranstaltung hatten darauf aufmerksam machen wollen, dass muslimische Frauen Benachteiligungen und ungerechter Behandlung ausgesetzt seien, berichtete die Nachrichtenagentur AP. Frauen, so Wadud nach dem Gebet, seien von grundlegenden Bereichen des Glaubens ausgeschlossen. Ihrer Ansicht nach behandelt der Koran Männer und Frauen gleich. Die Männer hätten die Lehre aber korrumpiert und Frauen auf den Status von Sexualpartnern herabgestuft.

In der saudi-arabischen Hauptstadt Riad, einem der wichtigsten Länder des Islam, war Waduds Aktion Thema der dortigen Freitagspredigt. Der Großmufti des Landes, Abd al- Aziz Al Scheich, erklärte, dass jeder, der diesen Akt verteidige, gegen Gottes Gesetz verstoße. Der Islamgelehrte Sayed al-Tantawi, ein sehr einflußreicher Prediger an der bedeutenden al-Azhar-Moschee in Kairo, sagte, Frauen dürften nur das Gebet anderer Frauen anleiten. Keinesfalls aber dürften sie Vorbeterinnen sein, wenn Männer anwesend sind. Ähnlich äußerte sich Soad Saleh, die die islamische Abteilung des Frauenkollegs der al-Azhar-Universität leitet.

Abdul Moti Bayoumi vom islamischen Forschungszentrum der al-Azhar-Hochschule, erklärte, Wadud habe eine verurteilungswürdige Neuerung eingeführt, die im Widerspruch zu den Worten und Taten des Propheten Muhammad stehe. Dass Frauen keine Gebete gemischter Gruppen anleiten dürfen, sei keine Diskriminierung, sondern eine Schutzmaßnahme für die Männer, erklärte er. Auch auf einschlägigen, vornehmlich von Islamisten besuchten Internetseiten wurde Wadud von Kritikern aus der gesamten islamischen Welt scharf angegriffen.

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