Hamburg - Wer der kommende Papst sein wird, ist schwerer vorherzusehen als bei vergangenen Wahlen. Denn: Die 117 Wahlberechtigten kommen aus 54 Ländern. Nur noch die Hälfte der Kirchenfürsten im Konklave stammt aus Europa. Auch die Macht der italienischen Kardinäle ist mit nur noch 20 Wahlberechtigten gebrochen. Zudem sind sie untereinander zerstritten. Der Amerika-Block ist stark angewachsen: 22 Kardinäle kommen aus Süd-, 14 aus Nordamerika. Asien ist mit 11 Geistlichen vertreten, Afrika mit 12, aus Australien und Neuseeland kommt je einer. Die starke Gruppe aus Lateinamerika spaltet sich in Liberale und Konservative, es erscheint fraglich, ob sie sich auf einen Kandidaten einigen können.
Bei den bisherigen Wahlen zum Oberhirten von mehr als einer Milliarde katholischer Christen war es meist so, dass die in der Öffentlichkeit am höchsten gehandelten Kandidaten bei der Wahl in der Sixtinischen Kapelle kaum Chancen hatten. Bei der letzten Wahl ging Karol Wojtyla überraschend als Sieger hervor, weil sich die beiden populärsten italienischen Kandidaten gegenseitig blockierten. Von den 117 wahlberechtigten Kardinälen wurden 114 von Johannes Paul II. ernannt. Eines steht also im Voraus fest: Der nächste Papst ist ganz nach dem Geschmack Johannes Paul II.
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