Erbil - Bei dem Blutbad wurden nach US-Militärangaben auch 150 Personen verletzt. Auf der Webseite der zum al-Qaida-Netzwerk gehörenden Terrororganisation Ansar al-Sunna veröffentlichten Erklärung hieß es, der Anschlag sei eine Vergeltung für das Bündnis der Kurden mit den US-Truppen. Ein Selbstmordattentäter habe ihn in einem mit Sprengstoff gefüllten Auto verübt. Die irakische Polizei sprach dagegen von einem Fußgänger. Die Ansar-al-Sunna ist eine der aggressivsten Gruppen der Aufständischen im Irak. Sie hat sich zu mehreren Terroranschlägen und Entführungen bekannt.
Zahlreiche Autos vor dem Rekrutierungszentrum gingen in Flammen auf, mehrere angrenzende Gebäude wurden stark beschädigt. Auf der Straße bildeten sich große Blutlachen, während Dutzende Rettungswagen die Toten und Verletzten in Krankenhäuser brachten. Der Attentäter zündete den Sprengstoff, als sich zahlreiche Zivilpersonen um eine Anstellung bei der Polizei bewarben. Erbil liegt rund 350 Kilometer nördlich von Bagdad in überwiegend von Kurden bewohntem Gebiet.
Nur wenige Stunden nach dem Selbstmordanschlag in Erbil sind in der Hauptstadt Bagdad durch eine Autobombe mindestens neun Mitglieder der Nationalgarde getötet worden. 20 Menschen wurden nach Angaben der Polizei bei der Explosion im Stadtteil Dura verletzt. Die US-Streitkräfte sprachen sogar von 15 Toten. Das von einem Selbstmordattentäter gesteuerte Fahrzeug detonierte an einem Kontrollpunkt in dem südlichen Stadtteil.
Mit den heutigen Opfern stieg die Zahl der Toten allein innerhalb der vergangenen Woche auf über 200. Der letzte Anschlag, bei dem mehr Menschen starben, wurde am 28. Februar verübt. Damals sprengte sich ein Selbstmordattentäter vor einem Rekrutierungszentrum in Hilla in die Luft und riss 125 Menschen mit in den Tod.
In Bagdad wurden zwei US-Soldaten bei der Detonation von am Straßenrand versteckten Bomben getötet. Die Sprengsätze explodierten, als Militärkonvois passierten, wie die Streitkräfte mitteilten. Irakische Sicherheitskräfte nahmen nach Regierungsangaben bei einer Razzia nahe Tikrit in den vergangenen Tagen Aiman Sabawi fest, einen Sohn eines Halbbruders von Saddam Hussein. Er war Berater des Expräsidenten, ihm wird Unterstützung von Terroristen vorgeworfen.
Australien appelliert an Kidnapper
Die australische Regierung und die Angehörigen einer australischen Geisel appellierten heute im Fernsehsender al-Dschasira an die Kidnapper, den 63-Jährigen Douglas Wood aus gesundheitlichen Gründen freizulassen. Eine Einsatzgruppe aus Mitarbeitern des australischen Außen- und Verteidigungsministeriums traf im Irak ein, um die Freilassung Woods zu erreichen. Am Montag zeigte al-Dschasira ein Video, auf dem Wood zwischen zwei vermummten Bewaffneten zu sehen ist. Der eingeschüchtert wirkende Mann bat vor der Videokamera US-Präsident George W. Bush, Howard und den kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger, die Koalitionstruppen aus dem Irak abzuziehen.
Zudem einigte sich die dänische Regierung mit zwei Oppositionsparteien auf eine Verlängerung der Irak-Mission bis zum 1. Februar. Kopenhagen hat 530 Soldaten in den Süden des Landes entsandt. Japan plant dagegen nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo einen Abzug seiner 550 Soldaten im Dezember.
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