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21.05.2005
 

Neue Foltervorwürfe

Karsai fordert von Bush hartes Vorgehen

Mit großer Empörung hat Afghanistans Präsident Hamid Karsai auf neue Berichte über Misshandlungen von Gefangenen in seinem Land durch US-Soldaten reagiert. Er will das Thema bei seinem anstehenden Besuch in den USA zur Sprache bringen.

Kabul - "Es hat mich völlig schockiert", sagte er am Samstag über einen Artikel der "New York Times". Die Zeitung hatte am Freitag aus einem vertraulichen Heeresbericht über den Tod von zwei Afghanen auf dem US-Stützpunkt Bagram zitiert. In einigen Fällen seien die Misshandlungen von den Vernehmungsführern befohlen oder ausgeführt worden, um Informationen zu erhalten, schrieb die Zeitung.

"Wir verurteilen das zutiefst", sagte Karsai vor seinem Abflug zu einem viertägigen USA-Besuch. Er forderte Washington zu "sehr, sehr harten Maßnahmen" gegen die Verantwortlichen auf, damit diese nicht weiter in Afghanistan eingesetzt würden. Er werde das Thema in den USA zur Sprache bringen. Auch US-Präsident George W. Bush sei über die Berichte alarmiert, sagte dessen Sprecher Trent Duffy am Freitag. In Zusammenhang mit Misshandlung in Bagram werde gegen sieben Personen ermittelt.

Hilfsorganisationen forderten die afghanische Bevölkerung unterdessen zur Mithilfe bei der Suche nach der entführten Care-Mitarbeiterin Clementina Cantoni auf. Hunderte Poster mit dem Bild der 32-jährigen Italienerin, die am Montag gekidnappt worden war, wurden in Kabul aufgehängt. "Bitte helfen Sie Clementina", heißt es darauf. "Sie hat 10.000 Witwen und 50.000 Waisenkindern geholfen." Karsai erklärte, die Regierung kenne den Täter und seine Motive. "Wir wollen, dass er seine Geisel sicher und gesund freilässt."

Der Vizeinnenminister des vor dreieinhalb Jahren gestürzten Taliban-Regimes kündigte derweil seine Kandidatur bei der Parlamentswahl im September an. Mullah Mohammed Chaksar sagte sich nach dem Krieg von der islamistischen Bewegung los. Er wolle als unabhängiger Kandidat antreten, um der Bevölkerung zu dienen und mit der Zentralregierung eng zusammenzuarbeiten, sagte er bei einer Pressekonferenz in Kandahar. Schon am Dienstag hatte ein früherer Taliban-Minister, Wakil Ahmed Muttawakil, seine Kandidatur angemeldet.

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