Bagdad - Bei der Razzia fanden die Soldaten in der Ortschaft Karabila nahe der syrischen Grenze unter anderem einen Traktoranhänger und einen Müllwagen, die mit Sprengstoff für Anschläge ausgestattet waren. Bei der Militäroffensive im Westirak wurden nach US-Angaben in einem Gebäude, in dem zuvor vier irakische Geiseln entdeckt worden waren, auch sudanesische, tunesische, saudi-arabische und libysche Pässe gefunden. Zu irakischen Berichten über die Zerstörung zahlreicher Häuser und die Flucht von Einwohnern der Stadt Karabila in die Wüste erklärte das Militär, bisher seien bei der "Operation Speer" 33 Häuser beschädigt oder zerstört worden. Es gebe "keine Anzeichen", dass die Einwohner die Stadt in großer Zahl verließen.
Bei drei Selbstmordattentaten starben im Nordirak nahe der Kleinstadt Tus und in Halabdscha acht Angehörige der irakischen Sicherheitskräfte. Wie das irakisch-amerikanische Militär-Verbindungsbüro in Tikrit mitteilte, brachte ein Attentäter in der vergangenen Nacht an einer Straßensperre bei Tus eine Autobombe zur Explosion. Eine Viertelstunde später sprengte sich ein zweiter Selbstmordattentäter auf derselben Straße mit seinem Fahrzeug neben einer Militärpatrouille in die Luft. Insgesamt starben dabei fünf irakische Soldaten.
Bei einem Autobombenanschlag in Halabdscha wurden der Chef der Sicherheitskräfte der Stadt sowie zwei seiner Leibwächter getötet. In Halabdscha hatte das Regime von Saddam Hussein 1988 Tausende von Kurden mit Giftgas getötet. Später fasste die radikale kurdische Islamisten-Gruppe Ansar-e Islam in der Stadt Fuß.
In Rutba nahe der jordanischen Grenze kam laut US-Militär ein amerikanischer Soldat bei einem Sprengstoffanschlag ums Leben. In der Nähe von Bedschi töteten US-Soldaten nach Polizeiangaben einen Stammesscheich. Scheich Karim al-Birie habe in einem Auto gesessen, als Soldaten einer vorbeifahrende US-Patrouille das Feuer auf ihn eröffneten. Die US-Armee nahm zu dem Bericht zunächst nicht Stellung.
Die Trinkwasserversorgung im Visier
Attentäter haben in Bagdad eine Kläranlage angegriffen und eine Millionen Bewohner der irakischen Hauptstadt von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten. Die Station in Tadschi im Norden der Hauptstadt sei von "Terroristen" sabotiert worden, teilte die irakische Regierung in einer Erklärung mit.
Nach Aussage eines hohen Beamten des Bagdader Wasserwerks wurde die Anlage bereits am Sonntag von Aufständischen mit Panzerabwehrraketen beschossen worden und dabei schwer beschädigt. Instandsetzungsarbeiten seien im Gange. Die Anlage sollte morgen wieder in Betrieb genommen werden.
Das Attentat solle den Irakern das Leben erschweren, erklärte die Regierung. Es hätte große Probleme verursacht, vor allem für kleine Kinder und alte Menschen, die bei 41 Grad Hitze besonders viel Wasser bräuchten. In den betroffenen Stadtvierteln verteilten Feuerwehrwagen Wasser, das aber nicht trinkbar war. Das Jarmuk-Krankenhaus, eine der größten Kliniken der irakischen Hauptstadt, wurde per Tanklaster mit Frischwasser versorgt. Viele Einwohner suchten bei Verwandten und Freunden im nicht betroffenen Osten der Stadt Zuflucht, um das Ende der Krise abzuwarten.
In Bagdad leben 6,5 Millionen Menschen. Nach Schätzungen der Uno sind 97 Prozent der Haushalte an die Wasserversorgung angeschlossen. Tatsächlich verfügten aber nur 63 Prozent der Wohnungen regelmäßig über fließendes Wasser.
Die internationale Gemeinschaft will morgen ein wirtschaftliches und politisches Hilfspaket für den Irak schnüren. Auf Einladung der USA und der Europäischen Union kommen in Brüssel Vertreter aus 85 Staaten und zahlreichen Organisationen zusammen. Die irakische Regierung will bei dem Treffen ihre Pläne für den Wiederaufbau präsentieren. Unter anderen nehmen US-Außenministerin Condoleezza Rice und Uno-Generalsekretär Kofi Annan daran teil. Das Treffen ist ausdrücklich nicht als Geberkonferenz gedacht, bei der große Summen für den Wiederaufbau gesammelt werden sollen.
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