Washington - Laut einer neuen Umfrage für den TV-Sender ABC News und die "Washington Post" sind 51 Prozent der US-Bürger mit Bushs genereller Leistung unzufrieden, 40 Prozent sogar sehr. Zum Vergleich: Der schlechteste Umfragewert "starker Missbilligung" der Politik von Bushs Vorgänger Bill Clinton hatte 1994 bei 33 Prozent gelegen.
Ähnlich ist das Ergebnis einer Umfrage des Gallup-Instituts im Auftrag des TV-Senders CNN und der Zeitung "USA Today". Demnach hat das Missfallen über Bushs Politik zu seiner schlechtesten Wert seit Antritt seiner Präsidentschaft im Januar 2001 geführt: 53 Prozent der befragten Amerikaner missfällt mittlerweile seine Politik. Nur noch 45 Prozent sind mit seiner Politik einverstanden. Die größten Probleme bereitet Bush seinen Landsleuten mit innenpolitischen Themen: Wirtschaft, Energie, Gesundheitswesen und die Sozialversicherung. Besonders die nicht vorankommende Reform der Sozialversicherung ist eine der Grundlagen für den Stimmungswechsel.
Eine Mehrheit der US-Bürger lehnt laut der ABC/Post-Umfrage jedoch auch die Irak-Politik der Regierung ab. Erstmals ist nun auch eine Mehrheit der Bevölkerung der Überzeugung, die Regierung habe die Öffentlichkeit beim Irak-Krieg bewusst getäuscht: 57 Prozent der Befragten sind der Überzeugung, Bushs Regierung habe vor Kriegsbeginn die angeblichen Beweise für die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak "bewusst übertrieben".
56 Prozent zeigten sich nicht einverstanden mit der Art und Weise, wie Bush mit der Lage im Irak umgehe, 44 Prozent lehnten Bushs Vorgehen sogar "strikt ab". 53 Prozent der befragten US-Bürger vertraten die Ansicht, der Irak-Krieg sei überflüssig gewesen.
Trotz dieser ablehnenden Haltung sprachen sich 58 Prozent der Befragten dafür aus, die US-Truppen so lange im Irak zu halten, bis dort die öffentliche Ordnung wiederhergestellt sei.
Bush wird heute (2 Uhr MESZ) eine Rede zur Lage im Irak halten. Am ersten Jahrestag der Machtübergabe durch die USA an eine zivile irakische Regierung wollte er sich auf dem Militärstützpunkt Fort Bragg in North Carolina an die Öffentlichkeit wenden. Der Präsident wirbt seit einigen Tagen verstärkt um Verständnis dafür, dass es noch Zeit brauche, um die Demokratie im Irak auf sichere Beine zu stellen.
Auch im Kongress war in jüngster Zeit Kritik an Washingtons Irak-Politik geübt worden, sogar aus Bushs eigener Partei, den Republikanern. Beobachter gehen davon aus, dass der Präsident heute Nacht die Strategie für das weitere Vorgehen im Irak erläutern und den bisherigen Einsatz rechtfertigen wird.
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