Fort Bragg - Einen Zeitpunkt für einen Truppenabzug aus dem Irak festzulegen, wäre ein "schwerer Fehler", sagte Bush in einer Grundsatzrede auf dem Militärstützpunkt Fort Bragg im US-Bundesstaat North Carolina. "Ich weiß, dass die Amerikaner wollen, dass unsere Truppen so schnell wie möglich nach Hause zurückkehren", sagte der Präsident ein Jahr nach der Einsetzung der ersten irakischen Übergangsregierung. Ein Zeitplan aber wäre ein falsches Signal an die Iraker, die wissen müssten, dass die USA sie nicht allein ließen, bevor die Aufgaben im Irak erledigt seien. Es wäre auch ein falsches Signal an den "Feind". Die amerikanischen Truppen blieben so lange im Irak, wie sie gebraucht würden und "keinen Tag länger", sagte Bush. Die USA haben im Irak 130.000 Soldaten stationiert.
"Klarer Weg nach vorn"
Bush sprach sich gegen eine Aufstockung des Kontingents aus. "Die Entsendung weiterer Amerikaner würde unsere Strategie untergraben, die Iraker zu ermutigen, in diesem Kampf die Führung zu übernehmen", sagte Bush. "Und die Entsendung weiterer Amerikaner würde andeuten, dass wir für immer bleiben wollen." Der "klare Weg nach vorn" zum Sieg benötige nur Zeit, keine Veränderungen.
Der US-Präsident brachte auch sein Entsetzen über die tägliche Gewalt im Irak zum Ausdruck. "Wie die meisten Amerikaner sehe ich Bilder von Gewalt und Blutvergießen. Jedes Bild ist entsetzlich, und das Leid ist echt", sagte er. Aber: "Das ist es wert." Es bleibe zwar noch "Arbeit zu tun, und es wird harte Momente geben, die Amerikas Entschlossenheit auf die Prüfung stellen." Er versicherte jedoch, die Terroristen würden scheitern. "Das amerikanische Volk lässt sich von Drohungen nicht ins Wanken bringen, und wir werden nicht zulassen, dass unsere Zukunft von Autobombern und Mördern bestimmt wird."
Der Irak sei eine wichtige Front im Kampf gegen den Terror, sagte Bush weiter. Dort seien Kämpfer aus Saudi-Arabien, Syrien, Iran, Ägypten, Sudan, Jemen, Libyen und anderen Ländern gefasst worden.
Der Feind könne jedoch nur gewinnen, wenn Amerika die Lektion aus den Terroranschlägen vom 11. September vergesse und das irakische Volk im Stich lasse.
Bushs Rede war auch eine Reaktion auf den schwindenden Rückhalt in der US-Bevölkerung für seine Irak-Politik. Eine Mehrheit der US-Bürger lehnt die Irak-Politik der Regierung ab. In einer am Montag veröffentlichten Umfrage für ABC News und die "Washington Post" sagten 57 Prozent der Befragten, die Regierung habe vor dem Krieg die angeblichen Beweise für die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak "bewusst übertrieben". 56 Prozent zeigten sich nicht einverstanden mit der Art und Weise, wie Bush mit der Lage im Irak umgehe, 44 Prozent lehnten Bushs Vorgehen sogar "stark ab". Dennoch sprachen sich 58 Prozent der Befragten dafür aus, die US-Truppen so lange im Irak zu halten, bis dort die öffentliche Ordnung wieder hergestellt sei.
Spitzenpolitiker der Demokraten warfen Bush Planlosigkeit vor. Er habe in seiner Rede kein Konzept vorgelegt, wie er im Irak gewinnen wolle, erklärte der Chef der Demokraten im Senat, Harry Reid, gestern in Washington. Reids Parteikollegin im Abgeordnetenhaus, Nancy Pelosi, warf Bush vor, eine Gelegenheit verpasst zu haben, den "Amerikanern klare Worte zu sagen".
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