Berlin - In einem Gastbeitrag für den Berliner "Tagesspiegel" schrieb Gerhard Schröder (SPD), dadurch solle die Bildung und die soziale Infrastruktur in den betroffenen Ländern verbessert werden. "Dieser Erlass bleibt an gute Regierungsführung als Voraussetzung gebunden, denn nur so ist sichergestellt, dass der Schuldenerlass auch wirklich der Überwindung von Hunger und Armut dient", schrieb der Kanzler.
Schröder kündigte in dem Beitrag an, bei dem Treffen im schottischen Gleneagles auch die wirtschaftlichen Belastungen durch drastisch gestiegene Ölpreise anzusprechen. "Der Anstieg der Ölpreise beruht nicht allein auf erhöhtem Verbrauch. Nach Expertenansicht dient nur noch ein kleiner Teil der Handelsbewegungen an den internationalen Börsen der Versorgung mit Rohöl." Der größere Teil sei inzwischen "finanzmarktgetrieben" und damit rein spekulativ, kritisierte der Kanzler. Er wolle sich deshalb für mehr Transparenz, aber auch für einen effizienteren Umgang mit Energie einsetzen.
Als weiteres Thema nannte Schröder den Umgang mit hoch spekulativen Hedgefonds. Entscheidend sei, "dass sich alle Beteiligten an faire Spielregeln halten", so der Bundeskanzler. "In Deutschland ist es auf Grund des eher kurzfristig angelegten Engagements zu Entwicklungen gekommen, die die Stabilität von Unternehmen bedroht haben", kritisierte er. "Deshalb trete ich für eine weltweit wirkungsvolle Aufsicht ein."
Der Gipfel in Gleneagles beginnt heute Abend. Der britische Premierminister Tony Blair, der bereits am Morgen am Tagungsort eingetroffen ist, hat als derzeitiger G8-Vorsitzender Entwicklungshilfe und Klimaschutz als Hauptthemen des Gipfels gewählt. Durch die "Live-8"-Konzerte vom vergangenen Samstag verbinden sich vor allem mit dem Thema Afrikahilfe große Erwartungen.
Beim Klimaschutz gibt es starke Meinungsverschiedenheiten unter den Staats- und Regierungschefs der G8. Alle Teilnehmer außer die USA haben sich zum Protokoll von Kyoto bekannt, das eine Reduzierung der Schadstoffemissionen vorsieht. US-Präsident George W. Bush sagte am Morgen bei einem Zwischenstopp in Dänemark, er sehe ein, dass der Mensch zur globalen Erwärmung beitrage, stelle sich aber weiterhin nicht hinter die Kyoto-Ziele. "Kyoto hat für die Vereinigten Staaten nicht funktioniert - und ehrlich gesagt auch für die ganze Welt nicht", sagte Bush. Er plädiere für eine "Nach-Kyoto-Ära". Wie er sich diese vorstellt, ließ der Präsident offen.
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