Hamburg - Fast zeitgleich, so berichtet Scotland Yard, seien heute Vormittag in London sieben Sprengsätze detoniert. Ziel der Anschläge waren Bahnhöfe und Busse. Die Bilder der blutüberströmten Menschen, die aus den Bahnhöfen fliehen oder von Helfern geborgen werden, erinnern stark an diejenigen, die die Welt am 11. März 2004 aus Madrid erreichten.
Im dortigen Atocha-Bahnhof war an jenem Donnerstag um 7.37 Uhr die erste von zehn Bomben explodiert, die islamistische Terroristen gezündet hatten. Insgesamt vier Vorstadtzüge hatten die Täter ins Visier genommen. 191 Menschen starben, mehr als 1500 wurden verletzt. Noch heute leiden 60.000 Hauptstädter als Folge der Attentate an Depressionen. Bei der Fahndung nach den Terroristen und deren Komplizen nahm die Polizei bisher 104 Verdächtige fest. Davon befinden sich 25 in Untersuchungshaft.
Der damalige Ministerpräsident José Maria Aznar hatte damals zunächst die baskische Untergrundorganisation Eta für das Massaker mit verantwortlich gemacht - wider besseres Wissen, wie ein jüngst veröffentlichter parlamentarischer Untersuchungsbericht feststellte.
Auch der Terrorismus-Experte Rolf Tophoven sieht in den Explosionen in der Londoner Innenstadt mögliche Hinweise auf einen Anschlag einer islamistischen Gruppierung. Die Gleichzeitigkeit und die Auswahl von Verkehrsmitteln wie U-Bahnen und Bussen als Ziel würden für die Qaida oder eine ähnliche Gruppe sprechen, sagte Tophoven.
"Bei mehreren Explosionen an mehreren Orten in einer Stadt ist von einem Anschlag auszugehen", sagte Tophoven. Eine endgültige Einschätzung, ob die Explosionen absichtlich herbeigeführt wurden und es sich um einen Anschlag handelt, könne aber zunächst nicht getroffen werden. Es gebe mehrere Motive für einen Anschlag in Großbritannien für islamistische Gruppen. "Großbritannien ist der wichtigste Partner von US-Präsident George W. Bush im Irak-Krieg", sagte der Experte. Dazu komme der G-8-Gipfel und die gestrige Entscheidung, dass die Olympischen Spiele 2012 in London ausgetragen werden.
Der jordanische Qaida-Experte Fuad Hussein sagte heute Mittag im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE dagegen, es sei noch viel zu früh, um über eine Täterschaft des Terrornetzwerks zu spekulieren.
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