Gleneagles - "Die Welt hat gesprochen und die Politiker haben zugehört", sagte U2-Sänger Bono. Die Live-8-Konzerte und die Demonstrationen am Konferenzort hätten geholfen, die Entscheidung der G-8 herbeizuführen. Dank der Verdoppelung der Entwicklungshilfe auf 50 Milliarden Dollar würden Hunderttausende Menschen davor bewahrt, an Armut, Malaria oder Aids sterben zu müssen, sagten Bob Geldof und Bono. Geldof hatte die Live-8-Konzerte der vergangenen Woche zu Gunsten der Afrika-Hilfe ins Leben gerufen.
Weltbankpräsident Paul Wolfowitz begrüßte den G-8-Plan zur Linderung der Armut in Afrika. Allerdings müssten die sieben reichsten Industrieländer und Russland sowie die afrikanischen Regierungen ihre Versprechen auch noch in die Tat umsetzen, sagte Wolfowitz in einem Interview mit dem britischen "Guardian". Beim fairen Handel etwa müssten noch weitere Fortschritte folgen, um sicher zu stellen, dass Entwicklungsländer eine Chance im Wettbewerb haben. "Es ist wichtig zu betonen, dass es eine Partnerschaft ist", sagte er. "Es geht nicht nur darum, mehr Geld auszugeben. Es geht darum, afrikanischen Führern ihre Verantwortung dafür bewusst zu machen, dass das (bereitgestellte) Geld klug verwendet wird."
Auch deutsche Politiker äußerten sich positiv über die Beschlüsse des Gipfels. Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) sprach von einem "historischen Erfolg für weltweite Gerechtigkeit". Mit ihren Zusagen für die 700 Millionen Menschen in Afrika hätten die Gipfelteilnehmer ein Bekenntnis zur nachhaltigen Armutsbekämpfung abgelegt. Der Gipfel habe das angekündigte Zeichen gesetzt und einen großzügigen Schuldenerlass sowie eine erhebliche Aufstockung der Mittel für Afrika beschlossen, schrieb FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt in einem Beitrag für den "Nordkurier". "Aber die politischen Führer in Afrika müssen auch selbst etwas tun, die Korruption ist in zahlreichen Ländern unerträglich, und manche bedienen nur ihre Clans", fuhr Gerhardt fort.
Kritik übte das kirchliche Hilfswerk "Brot für die Welt". Die Beschlüsse zur Armutsbekämpfung seien unzureichend - dafür seien vor allem Deutschland und die USA verantwortlich. "Die Diskussionen in Gleneagles haben gezeigt, dass Entwicklungshilfe weiterhin von außen- und wirtschaftspolitischen Eigeninteressen geleitet wird, statt dem Ziel der Armutsbekämpfung zu dienen", sagte Direktorin Cornelia Füllkrug-Weitzel. Vor allem Deutschland und die USA hätten bis zum Schluss Bedenken gegen eine Erhöhung der Entwicklungshilfe auf jährlich 50 Milliarden US-Dollar bis 2010 geäußert.
Die "Brot für die Welt"-Chefin sagte, es mangele offenbar am politischen Willen, nicht nur da zu investieren, wo man neue lukrative Märkte erschließen wolle oder strategische Interessen verfolge, sondern da, wo die Armut am größten sei. "Es wurde in letzter Zeit viel Richtiges dazu gesagt, dass die afrikanischen Staaten ihre Regierungsführung verbessern müssten", sagte Füllkrug-Weitzel. Im Gegenzug dazu fehle aber eine Selbstverpflichtung der Industrieländer, für faire Handelsbedingungen zu sorgen und eine echte Entwicklungspartnerschaft umzusetzen.
Dagegen begrüßte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) die erzielte Übereinstimmung beim Thema Welthandel. Der angestrebte Abbau von Subventionen im weltweiten Agrarhandel sei der Schlüssel, um die Entwicklungsländer an der Globalisierung teilhaben zu lassen. Der BDI beanstandete aber, dass bei der Afrikahilfe lediglich finanzielle Zusagen gemacht worden seien, entwicklungspolitische Konzepte aber nicht im Mittelpunkt gestanden hätten.
Die wichtigsten Beschlüsse des G-8-Gipfels:
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