Paris - "Ich denke, dass er die Absicht hat, sich erneut zur Wahl zu stellen", sagte der frühere Industrieminister und jetzige Berater von UMP-Chef Nicolas Sarkozy, Patrick Devedjian, heute im Fernsehsender France 2. Der 72-jährige Jacques Chirac war am Freitagabend wegen Sehstörungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden; dort muss er vermutlich eine Woche bleiben. Eine klare Diagnose wurde zunächst nicht veröffentlicht. Die Ärzte zeigten sich aber "sehr zufrieden" mit dem Zustand Chiracs.
Chirac habe Premierminister Dominique de Villepin im Juni ernannt, weil er sich erneut um die Präsidentschaft bewerben wolle, sagte Devedjian. Solange Chirac erneut antreten könne, werde er dies auch tun; der Staatschef sei schließlich "nicht die Sorte Mensch", der darauf verzichte. UMP-Chef Sarkozy, der auch Innenminister und Vizechef der Regierung in Paris ist, will dem mehr als 20 Jahren älteren Chirac 2007 im Amt nachfolgen.
Chirac erholt sich nach Angaben seiner Ärzte gut von einem Bluterguss, der seine Sicht beeinträchtigt hatte. Die Untersuchungsergebnisse deuteten auf einen sehr guten Verlauf hin, sagte eine Sprecherin des Val-de-Grâce-Militärkrankenhauses gestern in Paris. Chirac muss sich dort rund eine Woche behandeln lassen. Für diese Zeit hat er alle Termine abgesagt, darunter ein Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder.
Die Geheimhaltung um den Vorfall und vage Erklärungen zu der Natur der Erkrankung haben Spekulationen über Chiracs allgemeinen Gesundheitszustand ausgelöst. So wurde beispielsweise kolportiert, er habe einen Schlaganfall erlitten. Der Sozialist Francois Hollande sagte im Hörfunk: "Wenn das Staatsoberhaupt im Krankenhaus liegt, muss es in einer Demokratie zumindest gestattet sein, nach der Ursache zu fragen."
Die Zeitung "Libération" schrieb: "Der Gesundheitszustand des Präsidenten ist neben den Codes für die Atomwaffen das bestgehütete Geheimnis der Republik." Beobachtern zufolge ist Chirac besonders darauf bedacht, gesund zu erscheinen, weil sein 50-jähriger Rivale Nicolas Sarkozy sich besonders gerne als jugendlich und dynamisch darstellt.
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