New York - Mit dem Kompromisspapier war Generalsekretär Kofi Annan nur zum Teil zufrieden. Er bezeichnete den Erklärungsentwurf zwar als "wichtigen Schritt vorwärts". Allerdings habe die Uno "nicht alles bekommen", was sie wollte.
Der ursprüngliche Vorschlag von Annan wurde stark überarbeitet. So findet sich in dem Entwurf weder eine Definition von Terrorismus noch ein Vorschlag zur Reform der umstrittenen Uno-Menschenrechtskommission. Auch der Grundsatz der Nicht-Verbreitung von Atomwaffen wird nicht erwähnt. In dem Kapitel zur Entwicklungspolitik gibt es keine verbindliche Selbstverpflichtung, sondern erwähnt wird lediglich der "Wunsch vieler entwickelter Staaten", 0,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts für die Entwicklungshilfe auszugeben.
Die beigeordnete Uno-Generalsekretärin Angela Kane warf den USA vor, eine größere Reform der Uno zu verhindern. Der neue Uno-Botschafter der USA, John Bolton, habe für einen Konsens nicht mehr zur Verfügung gestanden und mit über 700 Änderungsanträgen auf das ursprüngliche Dokument enormen Druck ausgeübt, sagte die ranghöchste deutsche Uno-Vertreterin am Mittwoch im Bayerischen Rundfunk.
"Die USA haben
einfach ihre Meinung geändert und verfolgen nun andere Ziele",
sagte Kane. Vor allem in den Bereichen Umweltpolitik und
Entwicklungshilfe halte sich die US-Regierung nicht mehr an die von
den USA früher unterzeichneten Vereinbarungen. Das sei "schade,
weil die gesamte Vorbereitung umsonst war".
Auch bei der Reform des Sicherheitsrats herrscht laut Kane
Rätselraten: "Alle sagen zwar, der Sicherheitsrat soll renoviert
werden, aber keiner sagt, was passieren soll." Der Vorschlag der
sogenannten Vierergruppe Deutschland, Japan, Brasilien und Indien,
den Sicherheitsrat um weitere ständige Mitglieder zu erweitern, sei
"völlig weg vom Fenster".
Der britische Uno-Botschafter, Sir Emyr Jones Parry, nannte das 35-seitige Dokument
eine "gute Grundlage für die bevorstehenden Verhandlungen". Nichtregierungsorganisationen wie Human Rights Watch und Oxfam
vermissten jedoch "echte Ergebnisse" und meinten, die Uno hätten
"keinen Grund zu feiern". Auch Annan hielt nach eindringlichen
Journalistenfragen mit Kritik nicht hinter dem Berg. Es habe
"Spielverderber" gegeben, die "den Wald vor lauter Bäumen nicht
gesehen haben".
Der
Beginn der 60. Vollversammlung war wegen der langen Verhandlungen mehrfach verschoben worden.
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