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18.09.2005
 

Demokratisierung

Afghanistan-Wahl von Gewalt überschattet

Präsident Hamid Karzai sprach von einem historischen Schritt. Erstmals seit 36 Jahren haben die Afghanen ein Parlament gewählt. Die Abstimmung wurde aber von Gewalt überschattet. Ergebnisse des Votums werden erst Mitte Oktober erwartet.

Parlamentswahl in Afghanistan: Tag der Selbstbestimmung
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DPA

Parlamentswahl in Afghanistan: Tag der Selbstbestimmung

Kabul - Die Wahlbehörde erklärte die Parlamentswahl um 16 Uhr (Ortszeit) offiziell für beendet. Trotz zahlreicher Gewalttaten sagte der Cheforganisator der Wahlen, Peter Erben, die Sicherheitslage sei "generell sehr gut" gewesen.

Ergebnisse der Wahl werden erst Mitte Oktober erwartet. Präsident Hamid Karzai bezeichnete die Abstimmung als historischen Schritt und sprach von einem "Tag der Selbstbestimmung" für das afghanische Volk. "Nach 30 Jahren Krieg, Interventionen, Besetzung und Elend bewegt sich Afghanistan heute vorwärts", sagte Karzai bei seiner Stimmabgabe in Kabul.

Über zwölf Millionen Afghanen waren aufgerufen, aus den mehr als 2800 Kandidaten für die 249 Parlamentssitze auszuwählen. Weitere 3000 Kandidaten bewarben sich für die ebenfalls zu wählenden Provinzparlamente. Ein Viertel der Sitze ist für Frauen vorgesehen, in den Provinzräten 30 Prozent.

Da die Kandidaten als Einzelpersonen und nicht als Mitglieder von Parteien antreten, musste jeder Bewerber einzeln auf dem Stimmzettel aufgeführt werden. Wegen der hohen Analphabetenrate wurden außerdem ein Foto des Bewerbers und ein vorab festgelegtes Symbol abgedruckt. Letzteres steht nur für die Person, nicht für eine bestimmte politische Gruppierung.

Die Parlamentswahl war der letzte Schritt des im Dezember 2001 auf dem Petersberg bei Bonn beschlossenen Prozesses für den Übergang Afghanistans zur Demokratie. Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatten die Afghanen in der ersten freien Präsidentschaftswahl Karzai zum Staatsoberhaupt gewählt.

Überschattet wurde das Votum von Gewalttaten. Bei mehreren Anschlägen und Angriffen wurden seit Freitag mindestens 22 Menschen getötet. Kurz nach Öffnung der Wahllokale schlugen am Morgen in ein Lagerhaus der Vereinten Nationen in Kabul zwei Raketen ein, dabei wurde ein afghanischer Uno-Mitarbeiter verletzt. Ein drittes Geschoss traf ein Lager der US-Streitkräfte. Bei einem Feuergefecht in der östlichen Provinz Chost wurden nach Angaben eines Polizeisprechers drei Extremisten und zwei Polizisten getötet sowie zwei US-Soldaten verletzt.

In Kunar wurden bei einer Bombenexplosion zwei Polizisten und ein Fahrer verletzt, der Stimmzettel zu einem Wahllokal bringen wollte. In der Provinz Nangahar wurde das Haus eines Parlamentskandidaten von einer Granate getroffen, fünf Mitglieder seiner Familie wurden dabei verletzt. In der südlichen Provinz Helmand wurde ein Wahllokal angegriffen, Sicherheitskräfte erschossen nach Angaben des örtlichen Gouverneurs einen der Angreifer.

Bereits gestern kam ein französischer Soldat ums Leben, dessen Fahrzeug über eine Mine rollte, wie das Verteidigungsministerium in Paris mitteilte. Ein zweiter Soldat wurde verletzt. Nördlich von Kabul wurde in der Nähe eines Wahllokals eine mit Sprengstoff gefüllte Uhr gefunden. Polizei und Streitkräfte konnten nach eigenen Angaben vier geplante Bombenanschläge vereiteln, darunter einen auf einen großen Staudamm. Eine Zerstörung des Damms hätte mehrere tausend Menschen das Leben kosten können.

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