Madrid - Nach dem dritten Massenansturm afrikanischer Flüchtlinge auf spanische Exklaven in Marokko binnen drei Tagen schickt Madrid Soldaten, um die überforderte Küstenwache zu verstärken. Den Ausschlag für die Truppenentsendung gab ein Blitzansturm von mehreren hundert Menschen auf Ceuta, bei dem in der Nacht mindestens vier Afrikaner ums Leben kamen.
Laut dem Präfekten von Ceuta, Jeronimo Nieto Gonzales, seinen zwei Menschen beim Überqueren des doppelten Sperrzauns erstickt oder erdrückt worden. Einer der Männer blieb laut dem spanischen Innenministerium im Zaun hängen, ein anderer wurde vermutlich totgetrampelt. Laut marokkanischen Angaben wurden zwei Flüchtlinge durch Gummigeschosse auf dem Territorium von Marokko getötet, die von spanischer Seite abgefeuert wurden.
Mindestens 50 Afrikaner verletzten sich bei ihrem verzweifelten Versuch, auf spanisches Territorium zu gelangen. Nach spanischen Angaben gelangten rund hundert Flüchtlinge auf die spanische Seite der Grenze. Sie wurden dort von Ärzteteams betreut.
Der Aktion in der Nacht waren zwei ähnliche Fluchtversuche von jeweils mehreren hundert Personen in die Exklave Melilla vorausgegangen, bei denen in den Nächten zuvor mindestens 40 Personen zum Teil lebensgefährlich verletzt worden waren. Die Behörden waren von der Masse der Flüchtlinge und ihren koordinierten Versuchen überrumpelt, wie der Vertreter des Innenministeriums in Ceuta, Nieto Gonzales, erklärte. "Die Sicherheitskräfte waren alarmiert, aber wie haben nicht mit so vielen Menschen und mit einer derartig verrückten Welle gerechnet", sagte er im spanischen Radio. Einen derartigen Blitzansturm habe es zuvor nicht gegeben.
Verteidigungsminister José Bono sagte auf einer Pressekonferenz in Madrid, Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero habe ihn um die Entsendung von Soldaten gebeten. "Ich habe die Anordnung erhalten, die Küstenwache in Ceuta und Melilla mit Truppen zu verstärken", sagte er. Wie groß das Kontingent sein wird, konnte er noch nicht sagen.
Die Auffanglager in den Exklaven sind inzwischen total überlastet, weil bei jedem Ansturm hunderten Menschen die Überwindung der Grenze gelingt. Mit selbstgebauten Leitern erklimmen sie die Zäune, um auf der anderen Seite hinunterzuspringen. Die Flüchtlinge kommen aus Ländern südlich der Sahara und wollen über die Exklaven nach Europa gelangen, um der Armut und dem Elend in ihrer Heimat zu entkommen.
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