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22.11.2005
 

Mächtige Frauen

Die Neunte im Club

Von Ferda Ataman und Vera Kämper

Angela Merkel ist als Kanzlerin Deutschlands die wohl mächtigste Regierungschefin der Welt. In acht anderen Staaten sind ebenfalls Frauen an der Macht, bis gestern waren es sogar neun - aber Chandrika Bandaranaike Kumaratunga ist in Sri Lanka nicht mehr im Amt. Ihr Nachfolger ist bereits vereidigt.

Luisa Dias Diogo (Mosambik)
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Luisa Dias Diogo (Mosambik)

Luisa Dias Diogo (Mosambik)

wurde am 11. April 1958 geboren. Seit Februar 2004 ist sie die erste weibliche Premierministerin des afrikanischen Staates und Mitglied der Frelimo-Partei, einer Unabhängigkeitsbewegung aus den sechziger Jahren. Vor ihrem Amtsantritt arbeitete sie im Finanzbereich und blieb 2004 noch Finanzministerin, als die 47-Jährige ihr Amt als Nachfolgerin von Regierungschef Pascoal Mocumbi antrat. Neuerdings muss sie den Finanzminister-Posten an den ehemaligen Vizeminister Manuel Chang abtreten. In ihrem ersten Jahr als Präsidentin legte Diogo dem Parlament den Wirtschafts- und Sozialplan des hochverschuldeten Landes für das Jahr 2005 vor. International setzt sie sich für finanzielle Hilfen für Mosambik und andere arme Entwicklungsländer ein.



Helen Clark (Neuseeland)
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Helen Clark (Neuseeland)

Helen Clark (Neuseeland) wurde am 26. Februar 1950 in Hamilton geboren. Vor kurzem ist sie zum dritten Mal hintereinander (1999, 2002, 2005) zur Ministerpräsidentin gewählt worden. Bereits 1981 zog sie als erste weibliche Abgeordnete nach 40 Jahren ins neuseeländische Parlament ein. Nach einigen Ministerposten und unzähligen Querelen erreichte sie die Spitze der Labour Partei. Befürchtungen, die Politologie-Dozentin würde das Rad der Wirtschaftsreformen zurückdrehen, haben sich nicht bestätigt. Clarks Regierungsbilanz ist beachtlich: Dank ihres Reformkurses wächst nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Bevölkerung. Es gelang ihr, den bedrohlichen Abwanderungstrend zu stoppen. Sie selbst bezeichnet ihren Kurs gern als dritten Weg zwischen Sozialismus und Marktradikalismus oder auch "zwischen Herz und Verstand". Die 55 Jahre alte Politikerin gilt als intelligent und durchsetzungsstark. Trotz ihres Erfolgs - und zahlreicher Image- und Kommunikationsschulungen - bleibt Clark aufgrund ihrer direkten und schroffen Art allerdings bisher die große Sympathie im Land versagt.



Tarja Halonen (Finnland)
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Tarja Halonen (Finnland)

Tarja Halonen (Finnland) wurde am 24. Dezember 1943 in Helsinki geboren. Die Rechtswissenschaftlerin ist seit 2000 finnische Präsidentin. Mit ihrem Amtsantritt trat allerdings eine Verfassungsreform in Kraft, die die einst mächtigen Befugnisse des Staatspräsidenten auf repräsentative Aufgaben einschränkt. Lediglich ein Beratungsrecht in der Außenpolitik bleibt der ehemaligen Außenministerin. Halonen hat eine etappenreiche politische Karriere hinter sich: Parlamentssekretärin, Sozial- und Gesundheitsministerin, Justizministerin, Außenministerin und schließlich Staatspräsidentin. Bereits als Außenministerin setzte sie sich für Finnlands Interessen in der Europäischen Union ein. Dabei bewies sie ihr Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem Nachbarn Russland. 2000 kandidierte sie für die Sozialdemokraten in der Präsidentschaftswahl und lag mit 40 Prozent überraschend deutlich vor ihren Kontrahenten. Damit stand sie für ein neues Gesellschaftsmodell: Die alleinerziehende, emanzipierte und mit ihrem sozialpolitischen Engagement manche gesellschaftliche Tabus brechende Halonen vertritt das moderne Finnland. Die Wiederwahl der finnischen Präsidentin am 15. Januar 2006 ist laut der "Frankfurter Allgemeinen" so sicher, "wie die Fortsetzung einer Seifenoper".



Begum Khaleda Zia (Bangladesch)
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Begum Khaleda Zia (Bangladesch)

Begum Khaleda Zia (Bangladesch) wurde am 15. August 1945 in Dinajpur geboren. Seit 2001 ist sie Premierministerin in der instabilen Demokratie Bangladeschs. Als Regierungschefin eines der ärmsten Länder der Erde hat die 60-Jährige international wenig Einfluss. Nur mit Hilfe zweier islamistischer Koalitionspartner hält sie die Bangladesh Nationalist Party an der Macht. Bereits 1991 bis 1996 war sie die erste Frau an der Macht. Ihre Amtszeit wurde wiederum von einer Frau, Hasina Wajed - der Tochter des Staatsgründers Mujib ur-Rahman - unterbrochen. Beide Rivalinnen kamen nicht nur durch ihre politischen Leistungen, sondern durch familiäre Beziehungen an die Macht. Zia hat weder studiert noch eine Ausbildung. Ihr Mann war Präsident, bis er 1981 ermordet wurde - danach übernahm sie das Regieren. Sie gilt als unbeliebt und faul. Unter ihr konnte der Teufelskreis von Armut, Korruption und politischer Instabilität nicht unterbrochen werden. Nach Angaben der Oppositionspartei Awami Liga sind seit dem Amtsantritt der national-islamischen Regierung unter Khaleda Zia rund 13.000 oppositionelle Menschen getötet worden.



Mary McAleese (Irland)
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Mary McAleese (Irland)

Mary McAleese (Irland) wurde am 27. Juni 1951 im nordirischen Belfast geboren. Seit 1997 ist sie parteilose Staatspräsidentin der Republik Irland. Die erste Wahl endete bei geringer Beteiligung mit einem deutlichen Sieg für McAleese. Die nächste für sie anstehende Präsidentschaftswahl im Oktober 2004 wurde gemäß der Verfassung überflüssig, weil McAleese die einzige Kandidatin war. Ihr Lebenslauf ist in allen Etappen beeindruckend. Sie erhielt einen Juraabschluss mit Auszeichnung und wurde mit 24 Jahren Professorin für Strafrecht und Kriminologie. 1994 war sie die erste katholische Pro-Vizekanzlerin der Queen's University in Belfast. Mary McAleese ist nicht die erste Staatspräsidentin in Irland. Sie trat in die Fußstapfen der überaus populären Mary Robinson. Es ist aber das erste Mal, dass eine Frau einer Frau als gewählte Präsidentin nachfolgt. Bei ihrer Amtseinführung erklärte McAleese das Ziel, zur Versöhnung zwischen Nordirland und der irischen Republik beizutragen. Meinungsumfragen zeigen, dass die Arbeit der Präsidentin in der Bevölkerung geschätzt wird.



Gloria Macapagal Arroyo (Philippinen)
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Gloria Macapagal Arroyo (Philippinen)

Gloria Arroyo (Philippinen) wurde am 05. April 1947 in Manila geboren. Bereits 1998 wählten die Philippiner sie zur Vize-Präsidentin. 2001 übernahm sie dann als 14. Staatspräsidentin den dreijährigen Rest der Amtsperiode ihres Vorgängers Joseph Estrada, der wegen "wirtschaftlicher Ausplünderung" seines Landes verhaftet wurde. Arroyo stammt aus gutem Hause: Ihr Vater Diosdado Macapagal war philippinischer Staatspräsident und zeichnete sich als Politiker durch Integrität und bescheidenen Lebensstil aus. Die Wirtschaftswissenschaftlerin versprach bei ihrem Amtsantritt die Armut zu bekämpfen und das Patronagesystem in der Politik zu beseitigen. Innenpolitisch macht ihr die islamistische Terrorgruppe Abu Sayyaf zu schaffen, daher wird sie 2001 eine Verbündete der USA im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. 2004 tritt Arroyo erneut als Präsidentschaftskandidatin an. Diesmal propagierte sie ein wirtschaftliches Reformpaket mit Investitionserleichterungen und setzte sich nur knapp gegen ihren stärksten Konkurrenten durch. Nach der Wahl wurden Vorwürfe laut, sie habe die Wahlergebnisse beeinflussen wollen; auch ihren Familienmitgliedern wurde Korruption vorgeworfen. Popularitätsverluste waren die Folge. Dennoch lehnt das philippinische Parlament ein Amtsenthebungsverfahren Anfang September 2005 ab, Arroyo bleibt im Amt. Von vielen Menschen wird sie als spröde Wirtschaftwissenschaftlerin mit wenig Charisma gesehen. Insgesamt hinkt die wirtschaftliche Entwicklung den erfolgreichen "Tigerstaaten" hinterher.



Vaira Vike-Freiberga (Lettland)
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Vaira Vike-Freiberga (Lettland)

Vaira Vike-Freiberga (Lettland) wurde am 1. Dezember 1937 in Riga geboren. Seit 1999 ist sie Präsidentin Lettlands. Im Zweiten Weltkrieg nach Kanada ausgewandert, kehrte die Exil-Lettin 1998 als Psychologie-Professorin in die Heimat zurück. Ihr Vorgänger Guntis Ulmanis durfte das seit 1991 unabhängige Lettland nicht länger als zwei Wahlperioden regieren. In den Wahlgängen 1999 wurde Vike-Freiberga - bis dahin ohne politische Ambitionen und in der Öffentlichkeit nahezu unbekannt - von drei Parteien überraschend nominiert und gewann die Wahl. Seither sorgte die parteilose Vike-Freiberga für eine klare Westorientierung Lettlands. Konsequent und mit Erfolg bemühte sich die Präsidentin um Lettlands EU-Beitritt. Im Laufe ihrer ersten Amtsperiode hatte Vike-Freiberga durch ihr unabhängiges, sicheres und unerschrockenes Auftreten große Popularität erworben. Am Ende galt sie als die beliebteste Politikerin Lettlands. So war es keine Überraschung, dass ihre Wiederwahl für eine zweite Amtsperiode 2003 nur eine Formsache war.



Über Maria do Carmo Silveira (São Tomé und Príncipe) die Premierministerin der afrikanischen Zwergstaaten, ist wenig bekannt. Die vermutlich 45-Jährige hat ihr Amt erst im Juni 2005 übernommen - um ihren korrupten Vorgänger Damio Vaz d'Almeida abzulösen. Vorher hat sie sich bereits einen Namen als Direktorin der Zentralbank gemacht. Damit ist vermutlich zu erklären, dass Silveira neben dem Posten als Regierungschefin gleichzeitig Finanzministerin geworden ist. Sie ist bereits die zweite weibliche Premierministerin des demokratischen Inselstaats seit die Verfassung 1990 eingeführt wurde. Weil das Land hoch verschuldet ist, setzt sich Silveira stark für die finanzielle Unterstützung durch den Internationalen Währungsfond ein. Sie ist Mitglied der Partei der Freiheitsbewegung von São Tomé und Príncipe, den zwei kleinen Inseln im Golf von Guinea.

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