Mittwoch, 10. Februar 2010

Politik



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28.10.2005
 

CIA-Affäre

Cheneys Stabschef Libby tritt nach Anklage zurück

George W. Bush steht vor der größten innenpolitischen Krise seiner Amtszeit. Einer seiner wichtigsten Berater, Lewis "Scooter" Libby, ist wegen Meineids im Zusammenhang mit der Enttarnung der CIA-Agentin Valerie Plame angeklagt worden. Unmittelbar danach trat er von seinem Amt zurück. Bush nannte die Anklage eine ernste Sache.

Washington - Stundenlange Sondersendungen im Fernsehen, immer neue Gerüchte und Meldungen: Washington vibrierte heute vor Spannung wegen der CIA-Affäre. Dann, um 18.40 Uhr MESZ, platze die politische Bombe. Eine Grand Jury erhob Anklage gegen I. Lewis Libby, den Stabschef von Vizepräsident Dick Cheney, den Architekten des Irak-Kriegs und einen der wichtigsten Berater von US-Präsident Bush. Wie aus einer 22-seitigen Gerichtsunterlage hervorging (Quelle: CNN), muss sich der 55-Jährige wegen Meineids, Rechtsbehinderung und Falschaussage verantworten. Ihm wird außerdem vorgeworfen, unter Eid Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes FBI angelogen zu haben.

Libby (aus dem Weißen Haus kommend): Anklage in der CIA-Affäre
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REUTERS

Libby (aus dem Weißen Haus kommend): Anklage in der CIA-Affäre

Auf eine Anklage wegen des eigentlichen Vorwurfs der Enttarnung der CIA-Agentin Plame verzichtete Sonderermittler Patrick Fitzgerald, offenbar weil er dafür nicht genügend Beweismaterial in seiner Hand sah. Für die fünf Anklagepunkte drohen Libby jedoch bis zu 30 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 1,25 Millionen Dollar (1,03 Millionen Euro).

Libby trat umgehend nach der Anklage zurück. Das Weiße Haus teilte mit, man habe das Rücktrittsgesuch angenommen. Seit Cheney von 1989 bis 1993 das Amt des Verteidigungsminister innehatte, gilt Libby als dessen engster Vertrauter und rechte Hand.

Fitzgerald erläuterte die Vorwürfe auf einer Pressekonferenz. Mit der Anklage werde der Welt demonstriert, dass die USA ein Land seien, in dem alle Bürger an die Gesetze gebunden seien - auch solche, die hohe Regierungsämter bekleideten. Die Arbeit sei "noch nicht vorbei", kündigte Fitzgerald an.

In einem kurzen Statement reagierte Bush am Abend auf die Anklage. Die Ergebnisse der Ermittlungen seien sehr ernst, jetzt trete der gesamte Prozess in eine neue Phase ein. "Auch wenn uns die heutigen Neuigkeiten sehr traurig machen, konzentrieren wir uns voll und ganz auf die Aufgaben, dem sich dieses Land stellen muss." Er habe einen Job zu erledigen, genauso wie die Mitarbeiter im Weißen Haus. Libby habe in schwierigen Zeiten viel für das Land getan. Nachfragen ließ er nicht zu und entschwand schnell per Hubschrauber auf seinen Landsitz Camp David.

Wird auch Cheney als Zeuge vorgeladen?

Die Anklage gegen einen Spitzenberater der Regierung bringt den wegen des Verlaufs des Irak-Kriegs angeschlagenen Bush weiter unter Druck. Die Enttarnung von Geheimdienstbeamten wird in den USA als Straftat gewertet. Möglicherweise werden auch Cheney und andere hochrangige Regierungsmitarbeiter in dem Prozess gegen Libby als Zeugen vorgeladen.

CIA-AFFÄRE

Am 6. Juli 2003, wenige Wochen nach dem Einmarsch der USA in den Irak, wirft Joseph C. Wilson der US-Regierung in der "New York Times" unter der Überschrift "What I didn't find in Africa" vor, "unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in den Krieg" gegen den Irak gezogen zu sein. Der Ex-US-Botschafter war von US-Vizepräsident Dick Cheney als Sondergesandter in den Niger geschickt worden, um Beweise für das Gerücht zu finden, Iraks damaliger Diktator Saddam Hussein wolle sich in dem Land Uran für den Atombombenbau verschaffen.

Wilson findet keine Spuren und spricht von einer Inszenierung. Acht Tage später, am 14. Juli 2003, wird seine Ehefrau Valerie Plame, eine bis dahin verdeckt arbeitende CIA-Angestellte, in einem Zeitungsartikel enttarnt. Der konservative Kolumnist Robert Novak nennt ihren Deck- und Klarnamen und beruft sich in seinem Bericht auf "zwei hohe Regierungsbeamte".

Der Kolumnist Robert Novak hatte in einem Zeitungsartikel am 14. Juli 2003 die Identität der CIA-Agentin Plame enthüllt. Deren Mann, der ehemalige Botschafter Joseph Wilson, hatte kurz vor der Enttarnung die Darstellung der US-Regierung kritisiert, wonach der Irak versucht haben soll, in Niger Uran zu kaufen.

Tatsächlich musste das Weiße Haus später zugeben, dass die fragliche Information Geheimdienst-intern umstritten war und nie in einer Rede von Bush hätte auftauchen dürfen. Deshalb wurde spekuliert, die Enttarnung Valerie Plames könnte ein Racheakt gewesen sein.

Fitzgerald: "Es ist noch nicht vorbei"
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DPA

Fitzgerald: "Es ist noch nicht vorbei"

Im Blickfeld des Sonderermittlers standen vor allem Rove und Libby. Rove soll dem "Time"-Reporter Matt Cooper gesagt haben, dass Plame für die CIA arbeite. Der Regierungsberater hat jedoch erklärt, dass er sich nicht an dieses Gespräch erinnern könne.

Fitzgerald sagte auf der Pressekonferenz, nach seinen Ermittlungsergebnissen habe Libby von Cheney sowie mehreren anderen Regierungsmitarbeitern über die Identität von Wilsons Frau erfahren, bevor er darüber mit Reportern gesprochen habe.

Libby hatte dagegen dem Staatsanwalt zufolge in den Ermittlungen ausgesagt, dass er von dem Fernsehmoderator Tim Russert über Wilsons Frau informiert worden sei und diese Information dann an Cooper und die Reporterin Judith Miller von der "New York Times" weitergegeben habe - jedoch lediglich als bloßes "Gerücht", dessen Wahrheit er nicht bezeugen könne.

Diese Darstellung sei "unwahr", sagte Fitzgerald. Libby habe schon vor seinem Gespräch mit Russert mehrere Gespräche mit Cheney und anderen Regierungsmitarbeitern über die Identität von Wilsons Frau geführt.

Die Reporterin Miller saß mehr als 80 Tage in Beugehaft, weil sie ihren Informanten in der CIA-Affäre nicht preisgeben wollte.

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