Paris - Insgesamt waren nach Angaben des französischen Innenministeriums 1300 Polizisten gegen die überwiegend jugendlichen Randalier im Einsatz. Fünf Beamte wurden von Wurfgeschossen wie Flaschen und Steinen leicht verletzt. Es habe aber keine direkten Zusammenstöße zwischen Randalierern und Polizisten gegeben. Gegenüber dem Vorabend sei eine leichte Beruhigung der Lage festzustellen. Rund 40 Personen seien festgenommen worden.
Betroffen von den Krawallen war erneut vor allem das Département Seine-Saint-Denis nordöstlich der Hauptstadt. Insgesamt gingen im Großraum Paris rund 420 Fahrzeuge in Flammen auf. Im Département Yvelines wurde ein Betriebshof mit 27 Bussen in Brand gesteckt, auch in drei Lagerhäusern wurde Feuer gelegt. Die Bahngesellschaft SNCF kündigte besondere sicherheitsmaßnahmen für Züge in gefährdeten Gebieten an.
Die französische Polizei legte gestern Abend einen Bericht zum Tod der beiden Jugendlichen vor, der die Unruhen ausgelöst hatte. Anwohner warfen Polizisten vor, die Jugendlichen verfolgt zu haben, so dass diese in einem Transformatorenhäuschen Zuflucht suchten und tödliche Stromschläge erlitten. Ein dritter Junge wurde schwer verletzt. Der Polizeidarstellung zufolge ergriffen am Abend des 27. Oktobers drei Fußball spielende Jugendliche in Clichy-sous-Bois die Flucht, als wegen Eindringens in eine Baustelle alarmierte Polizisten eintrafen. Sie seien aber nicht von Polizisten verfolgt worden, heißt es unter Berufung auf eine Aussage des überlebenden Jugendlichen.
Der 17-Jährige habe einen Tag nach dem Zwischenfall zu Protokoll gegeben, dass den drei Jugendlichen bewusst gewesen sei, dass von ihrem als Versteck gewählten, eingezäunten Transformatorenhäuschen eine große Gefahr für sie ausgeht. Er habe weiter ausgesagt, dass er während ihrer Flucht und auch in der Nähe des Transformators keine Polizisten gesehen habe.
Warum die Jungen davonrannten, wurde in dem vom Innenministerium veröffentlichten Bericht nicht diskutiert. Es wurde aber vermerkt, dass einer von ihnen wegen gewaltsamen Raubs polizeibekannt gewesen sei.
Der Vater eines der Getöteten, Amor Benna, bezweifelte im AP-Interview die Polizeidarstellung. "Das ist das, was sie sagen. Wir wollen, dass die Wahrheit ans Licht kommt." Die Familien hätten eine Beschwerde eingelegt, mit der geklärt werden solle, ob die Polizisten Fehler gemacht hätten. "Wir wollen die Umstände wissen, die zu ihrem Tod führten", sagte er. Einer der Anwälte, Jean-Pierre Mignard, sagte, ein Vorwurf sei unterlassene Hilfeleistung. In dem Fall laufen noch verschiedene Ermittlungen.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH