Mar del Plata - Die Demonstranten zündeten eine Bank an und schleuderten Molotow-Cocktails in die Büroräume der argentinischen Telefongesellschaft Telefonica. Der Fernsehsender CNN zeigte Bilder von brennenden Straßensperren und Demonstranten, die die Einrichtung in Geschäften mit Holzlatten zertrümmerten.
An den nur etwa 600 Meter vom Tagungshotel entfernten Protesten waren rund 300 Demonstranten beteiligt, meldet die Nachrichtenagentur AFP. Andere Quellen sprechen von bis zu 1000 Beteiligten. Rund 8000 Sicherheitsbeamte sind am Tagungsort stationiert.
Zuvor hatten 10.000 Menschen friedlich gegen den Plan für eine panamerikanische Freihandelszone demonstriert. An der Spitze marschierten der bolivianische Oppositionsführer Evo Morales und der argentinische Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel. "Bush raus" und "Bush ist ein Faschist" riefen die Demonstranten auf dem Weg zur Abschlusskundgebung in einem Stadion. Dort versammelten sich 40.000 Menschen und hörten eine Rede des venezuelanischen Präsidenten Hugo Chávez. In offener Ablehnung der von US-Präsident George W. Bush gewünschten Freihandelszone warb Chávez für Agrarreformen und eine Allianz gegen die Armut.
Bush scherzt über Proteste
Der innenpolitisch geschwächte und in Lateinamerika wenig beliebte Bush wollte beim vierten Gipfel der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) für die gesamtamerikanische Freihandelszone werben, von der bereits seit dem ersten Gipfel dieser Art vor elf Jahren die Rede ist. Bush betont, die Freihandelszone könne auch die Probleme der 200 Millionen Armen Lateinamerikas zugute kommen. Unterstützt wird das Projekt von Kanada, Mexiko, Chile, Kolumbien und mehreren Karibikstaaten. Dagegen lehnt der so genannte Mercosur-Block um Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay das Vorhaben ab, unter anderem wegen der US-Einfuhrbeschränkungen im Agrarbereich.
Nach einem Gespräch mit dem argentinischen Präsidenten und Gastgeber Nestor Kirchner gestand ein zu Scherzen aufgelegter Bush ein, dass er wohl kein besonders einfacher Gast ist. "Es ist nicht einfach, all diese Länder zu beherbergen. Es ist ganz besonders nicht einfach - vielleicht mich zu beherbergen." Kirchner äußerte sich nicht zu den Protesten. Er sagte nur, er habe ein "offenes" Gespräch mit dem US-Präsidenten geführt - ein diplomatisches Codewort, das oft auf schwere Meinungsverschiedenheiten hindeutet.
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