Paris - In der französischen Hauptstadt, wo heute Abend die deutsche Fußballnationalmannschaft im Stade de France gegen Frankreich spielt, herrscht höchste Alarmstufe: Mehr als 2200 Polizisten sind im Einsatz. Von heute Vormittag 10 Uhr bis Sonntagmorgen 8 Uhr haben die Behörden ein Versammlungsverbot verhängt, untersagt sind alle Versammlungen, "die Unruhen provozieren oder ermutigen könnten". Zur Begründung heißt es, im Internet kursierten seit Tagen Mitteilungen, in denen für den 12. November in Paris zu Versammlungen und gewaltsamen Aktionen aufgerufen werde.
Der Polizeipräfekt hatte zuvor auch eine verstärkte Überwachung des Stade de France für das Fußball-Freundschaftsspiel befohlen. Das Stadion liegt nördlich von Paris im Département Seine-Saint-Denis, wo die Jugendkrawalle am 27. Oktober ihren Anfang genommen hatten.
Bis zum frühen Morgen wurden nach Angaben des Innenministeriums 385 Autos in Brand gesteckt und 162 Personen verhaftet. Ein Polizeibeamter erlitt Verbrennungen zweiten Grades, als ein Brandsatz in sein Einsatzfahrzeug in Saint-Quentin geworfen wurde, teilte Polizeisprecher Patrick Reydy mit.
In der Stadt Amiens fiel in der Nacht eine Stunde der Strom aus, nachdem Randalierer eine Transformatorenstation außer Betrieb gesetzt hatten, berichtete Reydi weiter. Brandstifter beschädigten nach seinen Angaben in der ostfranzösischen Stadt Savigny-le-Temple eine Grundschule, in Rambouillet wurde Feuer in zwei Geschäften gelegt und im Rathaus von Angers die Bibliothek in Brand gesteckt. In Toulouse wurden vier Verdächtige festgenommen, die 70 Liter Benzin bei sich hatten.
Unklar war, ob ein Angriff auf eine Moschee in Südfrankreich am gestrigen Freitagabend im Zusammenhang mit den Unruhen stand. Staatspräsident Jacques Chirac und Premierminister Dominique de Villepin verurteilten umgehend den Angriff in Carpentras. Dort warf ein unbekannter Angreifer während des Freitagsgebets zwei Brandsätze in die Gebetshalle der Moschee, wie die Präfektur in Avignon mitteilte. Es sei nur leichter Sachschaden entstanden, weil die Gläubigen die Flammen schnell erstickt hätten.
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