Washington - Die American Civil Liberties Union (ACLU) hat im Namen al-Masris Klage wegen dessen Verschleppung in ein afghanisches Gefängnis erhoben. Das teilte die ACLU heute in Washington mit. Dem früheren CIA-Chef George Tenet werde vorgeworfen, US-Recht und internationales Menschenrecht verletzt zu haben.
"Ich will wissen, warum man mir das angetan hat, und ich will eine offizielle Entschuldigung", sagte der 42-Jährige während einer Video-Konferenz in Washington. Nach Angaben von Masris Anwalt Manfred Gnjidic war seinem Mandanten am Samstag die Einreise zu der ACLU-Pressekonferenz in die USA verwehrt worden. Er sei am Flughafen von Atlanta im US-Bundesstaat Georgia abgepasst und zurück nach Deutschland geschickt worden. Der Beamte der Einwanderungsbehörde habe keine Begründung genannt.
Laut ACLU ist es die erste Klage, die sich gegen geheime Gefangenentransporte des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes richtet. US-Außenministerin Condoleezza Rice räumte bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel heute in Berlin Fehler in dem Fall ein.
Der 41 Jahre alte Deutsch-Libanese soll vor zwei Jahren versehentlich vom US-Geheimdienst CIA entführt und misshandelt worden sein. Zusätzlichen Stoff für Schlagzeilen liefern nun Informationen, nach denen die frühere rot-grüne Bundesregierung bereits seit eineinhalb Jahren von der angeblichen Entführung weiß.
Öffentlich bekannt ist die Entführung al-Masris erst seit Anfang des Jahres. Schuld an der Verschleppung soll eine Namensverwechslung gewesen sein. Al-Masri, der im bayerischen Neu-Ulm wohnt, befand sich laut seinem Anwalt zum Jahreswechsel 2003/2004 auf einer Busreise nach Mazedonien, als er an der serbisch-mazedonischen Grenze von Unbekannten verschleppt wurde. 23 Tage sei er festgehalten, misshandelt und schließlich dem CIA überstellt worden, sagte Gnjidic der ARD.
Dem SPIEGEL hatte al-Masri berichtet, von maskierten Männern geschlagen, nackt fotografiert, gefesselt, unter Drogen gesetzt und mit einem Sack über dem Kopf in ein Flugzeug nach Kabul gebracht worden zu sein. Die Amerikaner hätten ihn für einen islamistischen Terroristen gehalten, in einem "Dreckskellerloch" verhört und ihm Verbindungen zur Terrororganisation al-Qaida vorgeworfen. Er sei auch geschlagen worden. Erst nach fünf Monaten, Ende Mai 2004, sei er über Albanien wieder nach Mazedonien gebracht und ausgesetzt worden.
Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt schon länger in dem Fall - wegen Freiheitsberaubung, bislang gegen Unbekannt. Die Behörde überprüft derzeit die Angaben al-Masris, und bisher sieht es laut Staatsanwaltschaft ganz so aus, als habe der Deutsch-Libanese die Wahrheit gesagt.
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