Sonntag, 22. November 2009

Politik



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06.12.2005
 

US-Geheimdienst

Wie die CIA die Italiener foppte

Neue Einzelheiten im Fall eines aus Italien entführten mutmaßlichen Qaida-Terroristen durch die CIA: Italienische Ermittler haben nun nachgewiesen, dass die CIA sie bewusst belog.

Mailand - Im März 2003 erhielt die Antiterror-Abteilung der italienischen Polizei eine als dringlich eingestufte Mitteilung von der CIA über den ägyptischen Imam Hassan Mustafa Osama Nasr, genannt Abu Omar, der einige Wochen zuvor in Mailand auf mysteriöse Weise verschwunden war.

Die US-Sicherheitsleute teilten mit, sie wüssten über den Aufenthaltsort des Vermissten Bescheid, Abu Omar sei auf den Balkan geflüchtet. Nun meldet die "Washington Post", diese Information des amerikanischen Geheimdienstes sei falsch gewesen. Die CIA habe die italienischen Behörden bewusst in die Irre geführt.

Die vorsätzliche Lüge sollte die Italiener auf eine falsche Fährte locken und die Entführung Abu Omars durch Agenten aus Langley kaschieren. Die Strategie sei mehr als ein Jahr lang aufgegangen, berichtete das Blatt unter Berufung auf italienische Justizdokumente und Gespräche mit Ermittlern.

Erst Monate nach dem Verschwinden Abu Omars gelang es den italienischen Ermittlern die Geschichte seines Abgangs zu rekonstruieren. Am 17. Februar 2003 war er entführt und von der US-Luftwaffenbasis Aviano nach Ägypten ausgeflogen worden. Dort soll der 42-Jährige gefoltert worden sein. In abgehörten Anrufen an Bekannte in Italien berichtete er vom Stromschlägen und Kälteschocks. Zurzeit befindet sich der Ägypter in dem Land unter Hausarrest.

Während seines Aufenthalts in Italien war er auch von den italienischen Behörden beobachtet worden. Sie sammelten Belastungsmaterial gegen ihn, weil er ihnen als Mitglied der extremistischen Organisation Jemaah Islamiah galt.

"Antiterror-Bemühungen beschädigt"

Bereits im Frühjahr brachten italienische Ermittler den Fall an die Öffentlichkeit. Doch erst neue Justizdokumente zeigen, welche Auswirkungen der CIA-Einsatz auf die italienischen Ermittlungen gehabt hat. Der leitende Mailänder Staatsanwalt Armando Spataro sagte, die CIA-Aktion sei nicht nur ein "Verbrechen gegen die italienische Souveränität und die Menschenrechte" gewesen. Sie habe zudem die "Antiterror-Bemühungen in Italien und Europa ernsthaft beschädigt". Wäre Omar nicht entführt worden, wäre er nun Angeklagter in einem legalen Verfahren und säße im Gefängnis. Außerdem hätten die Ermittler möglicherweise Komplizen aus seinem Umfeld identifizieren können, sagte Spataro.

Inzwischen hat die Mailänder Justiz 22 Haftbefehle gegen CIA-Mitarbeiter in dem Fall erlassen. Die italienischen Ermittler vermuten, dass der CIA-Chef in Rom die Aktion geleitet hat. Koordiniert worden sei die Entführung von Mitarbeitern der US-Botschaft. Schwer beschuldigt wird außerdem der CIA-Chef im Mailand, Robert Seldon Lady. Gegen ihn ist ebenfalls ein Haftbefehl erlassen worden.

Die Bemühungen der italienischen Staatsanwaltschaft werden jedoch von der Berlusconi-Regierung torpediert. Auslieferungsgesuche an die USA zur Überstellung verdächtiger CIA-Mitarbeitern nach Italien seien von Justizminister Roberto Castelli bisher nicht genehmigt worden, berichtet die "Washington Post".

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