Was war Ihr erster Gedanke, als Sie von Schröders neuem Job als Aufsichtsratschef der Betreibergesellschaft der deutsch-russischen Pipeline hörten?
Kasparow: Ich habe gedacht, was für eine Schande für die Demokratie. Es ist ein fatales Signal für alle diejenigen, die in Russland für mehr Demokratie kämpfen. Erst nennt Schröder Putin einen lupenreinen Demokraten, jetzt lässt er sich selbst in die Strukturen des mafiösen Systems einbinden.
SPIEGEL ONLINE: Als einer der Gründer des "Komitee 2008: Freie Wahlen" zählen sie zu den schärfsten Kritikern Wladimir Putins. Was bedeutet Schröders Zusage für Putin?
Kasparow: Es ist ein Skandal, dass Schröder Putin auf diese Weise Legitimität verschafft. Putin kann jetzt auch weiterhin mit dem Finger auf den Westen zeigen und sagen: Die sind genauso korrupt wie wir. Das ist ein typischer Trick von totalitären Herrschern, um den Mangel an Transparenz und die Korruption im eigenen Land zu rechtfertigen.
SPIEGEL ONLINE: Schröders Verteidiger in Deutschland sagen, mit Putin habe die ganze Sache nichts zu tun. Sie sagen, es handele sich um einen normalen Geschäftsdeal zwischen einem Privatmann und den Unternehmen Gasprom, E.on und BASF, die das Betreiberkonsortium der Pipeline besitzen.
Kasparow: Machen Sie Witze? Jeder weiß, dass Gasprom Putins persönliches Machtinstrument ist. Die Firma wird vom Kreml aus geleitet und wird schon deshalb nie transparent sein. Es ist nicht ganz klar, ob der Kreml Gasprom kontrolliert oder umgekehrt. Es sind dieselben Leute.
SPIEGEL ONLINE: Hat Schröder den Job als Belohnung für seinen politischen Einsatz für die Pipeline bekommen?
Kasparow: Er hat den Job bekommen, weil Putin ein Skalpjäger ist. Als ehemaliger Spion ist Putin es gewohnt, Ausländer zu kaufen. Jetzt hat er sich den Kanzler von Deutschland, der drittgrößten Industrienation der Welt, gekauft. Putin sieht das als großen persönlichen Erfolg.
Die Fragen stellte Carsten Volkery
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