: Herr Ansari, bereits das dritte Mal spricht der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad davon, dass Israel zerstört oder in einen anderen Erdteil verlegt werden soll. Meint er es ernst?
Ansari: Ich denke, er meint es in der Tat ernst. Er selbst glaubt jedenfalls, dass er es ernst meint. Doch seine Feinde reiben sich bereits die Hände, sogar die in Iran.
SPIEGEL ONLINE: Wen spricht er mit seinen Israel-feindlichen Hasspredigten eigentlich an?
Ansari: Es hilft ihm bei einem Teil der Wähler. Wir müssen bedenken, dass es in Iran etwa fünf Millionen Menschen gibt, die genau das hören wollen, was er sagt. Doch er verliert jetzt schon Unterstützung bei den Menschen, die ihm glauben. Ich meine damit die konservativen politischen Führungsleute. Sie sind mit ihm vielleicht einer Meinung, doch sie denken, dass er taktisch übertreibt.
SPIEGEL ONLINE: Aus welchem Grund? Fürchten sie die internationale Antwort darauf?
SPIEGEL ONLINE: International wird Ahmadinedschad nur dann gehört, wenn er von Israel spricht. Was denken eigentlich die Menschen in Iran über ihn?
Ansari: Der Punkt, an dem das iranische Volk wirklich beunruhig war, war erreicht, als er sagte, dass während seiner Rede vor den Vereinten Nationen eine grüne Aura seinen Kopf umgab. Diese Rede ist aufgezeichnet worden, die Menschen können es sich auf DVD ansehen. Ahmadinedschad sagte nach seiner Rückkehr einem Ajatollah, dass jeder Staatsführer in der Generalversammlung 30 Minuten lang vor Ehrfurcht nicht einmal mit den Wimpern zuckte. Viele Menschen in Iran haben diese Rede gesehen, seine Aussagen über die Aura lassen ihn dann schon abergläubisch erscheinen.
SPIEGEL ONLINE: Sind die Provokationen Teil irgendeiner Taktik, an nukleare Waffen zu gelangen?
Ansari: Es hat nichts damit zu tun, aber es wird sich darauf auswirken.
SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?
Ansari: Israel und andere Länder können nun mit Recht sagen, wie sollen wir so einem Land Atomwaffen erlauben? Ein iranischer Amtsträger sagte zu mir, dass die Amerikaner und Israelis keine bessere Arbeit geleistet hätten, wenn sie eine Milliarde für Propaganda gegen Iran ausgegeben hätten. In diesem Sinne ist Ahmadinedschad ein Geschenk. Die Israelis reiben sich bereits die Hände.
Das Interview führte Michael Scott Moore
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