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27.12.2005
 

Entführungsopfer

Osthoffs Mutter attackiert Bundesregierung

Während Politiker und Experten Susanne Osthoff vor einer Rückkehr in den Irak warnen, kritisiert ihre Mutter die Bundesregierung. Der Entschluss, der befreiten Geisel die Hilfsmittel zu streichen, sei "seltsam".

Berlin - Osthoffs Mutter Ingrid Hala vermutet, dass die Regierung mit der Streichung der Unterstützung der Projekte die deutsche Bevölkerung beruhigen wolle. Sie habe "viele blöde Briefe" erhalten, in denen das Verhalten ihrer Tochter angeprangert worden sei, sagte Hala der "Süddeutschen Zeitung". Bei den Projekten handelt es sich um den Aufbau eines deutschen Kulturzentrums in der nordirakischen Stadt Arbil sowie um die Sanierung einer Karawanserei in Mossul.

Osthoffs Mutter Ingrid Hala: Noch kein Kontakt zur Tochter
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DPA

Osthoffs Mutter Ingrid Hala: Noch kein Kontakt zur Tochter

"Das ist schon seltsam, was die Bundesregierung da macht", kritisierte Hala die Streichung der Hilfen für die von ihrer Tochter betreuten Projekte. Hala weiß nach eigenen Worten nicht, wo sich ihre Tochter aufhält und wie deren zwölfjährige Tochter zu ihr gelangte. Die Familie hatte nach eigenen Angaben auch noch keinen Kontakt zu Osthoff nach deren Freilassung.

Der Entschluss der Archäologin, nach ihrer Freilassung aus der Geiselhaft wieder in den Irak zurückzukehren, stößt unterdessen bei Politikern und Experten in Deutschland auf breites Unverständnis. Osthoff war am 18. Dezember nach über drei Wochen Geiselhaft freigelassen worden. Am Montag kündigte sie im arabischen Fernsehsender al-Dschasira an, sie wolle ihre Arbeit im Irak fortsetzen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) appellierte daraufhin an Osthoff, davon Abstand zu nehmen. "Nach intensiven Anstrengungen vieler Beteiligter über drei Wochen, die schließlich zu ihrer Freilassung führten, hätte ich wenig Verständnis, wenn Frau Osthoff sich erneut in eine Gefahrensituation begeben würde", sagte Steinmeier.

Der Vorsitzende es Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz (CDU), bezeichnete Osthoffs Entschluss ebenfalls als "schwer verständlich". Das Entführungsrisiko im Irak sei nicht kleiner geworden. Zwar sei die Bundesregierung immer zur Hilfe für Deutsche verpflichtet. Im Fall einer neuen Entführung würde auch über die Konsequenzen zu reden sein, "auch über die Frage, wie man sich dann beispielsweise an den Kosten möglicher Rettungsaktionen zu beteiligen hätte", betonte Polenz mit Hinweis auf die deutschen Motorradfahrer, die 2003 bei einer Tour durch die Sahara in Geiselhaft gerieten und nach der Freilassung an den Kosten beteiligt wurden.

Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Hans-Ulrich Klose nannte Osthoffs Pläne "befremdlich" und "nicht gut". Osthoff scheine eine eigenständige, um nicht zu sagen "eigensinnige" Frau zu sein. Allerdings mahnte Klose beim Thema Kostenbeteiligung zur Zurückhaltung. Bei den Motorradfahrern in der Sahara sei es um "reine Abenteuerlust" gegangen, Osthoff wolle hingegen dem Irak und den Menschen dort helfen.

Auch FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt zeigte sich befremdet über Osthoffs Pläne. Zwar sei es deren "eigene Entscheidung, wie sie ihr Leben führt. Nur kann die gesamte Politik, die Krisenstäbe und die Öffentlichkeit dafür nicht andauernd in Anteilnahme genommen werden", betonte Gerhardt.

Irak-Kenner Peter Scholl-Latour bezeichnete Osthoffs Verhalten als "extrem leichtsinnig". Mit ihren Rückkehrplänen trete sie zudem die Bemühungen der Bundesregierung für ihre Freilassung "mit Füßen".

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