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21.01.2006
 

Angst vor Unruhen

Holländer wollen junge Arbeitslose in Kasernen drillen

Von Alwin Schröder

In niederländischen Städten steigt die Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen. Amsterdams Bürgermeister warnt bereits vor Krawallen wie in Paris. Die holländische Regierung will deshalb junge Arbeitslose in leer stehenden Kasernen umerziehen, um solche Unruhen zu vermeiden.

Hamburg - "Es ist Unruhe in der Stadt", hat Amsterdams Bürgermeister Job Cohen festgestellt. Dem sozialdemokratischen Politiker macht die zunehmende Gewalt in den Problemvierteln der niederländischen Metropole Sorge. Vor allem marokkanische Jugendliche lungerten auf den Straßen herum, terrorisierten Nachbarn und randalierten, meldet die Nachrichtenagentur epd. Als im Stadtteil Slotervaart kürzlich ein 17-jähriger marokkanischer Herkunft bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei auf seinem Motorrad ums Leben kam, randalierten viele Jugendliche vor einem Polizeibüro und steckten ein Auto in Brand, denn sie gaben der Polizei die Schuld an seinem Tod.

 Umerziehungslager (in USA): "Aus dem Nest kommen und Schuhe putzen"
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AP

Umerziehungslager (in USA): "Aus dem Nest kommen und Schuhe putzen"

Ein ähnlicher Vorfall hatte im vergangenen Jahr für die wochenlangen Unruhen in Frankreich gesorgt. Daran erinnerte auch Cohen, als er die Vorsitzenden aus 14 Stadtteilen zu einer Krisensitzung einlud. Immer öfter gibt es Berichte über Gewalt gegen Juden, Homosexuelle oder Frauen in den Niederlanden.

Vor allem unter ausländischen Jugendlichen ist die Arbeitslosenquote hoch. Rund 40 Prozent von ihnen haben keinen Job. Der Vorstoß einer Regierungsstelle soll nun soziale Unruhen wie in Frankreich vermeiden. Jugendliche Arbeitslose sollten in leer stehenden Kasernen diszipliniert werden, schlug Hans de Boer von der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit vor. Er wird dabei von den großen niederländischen Parteien unterstützt.

De Boer hat bereits mit dem holländischen Militär und den Glenn-Mills-Schulen, einer staatlichen Jugenderziehungsanstalt in den Engh, gesprochen. Jährlich sollen bis zu 4000 Jugendliche, die die Schule oder ihre Ausbildung abgebrochen haben, in alten Kasernen der Armee wie etwa in der Stadt Büdel in der Provinz Brabant untergebracht werden. Unter militärischer Leitung sollen sie dort in "Pred Camps" auf das Arbeitsleben oder die Berufsschule vorbereitet werden.

In diesen "Umerziehungslagern" sollen die Jugendlichen, die Arbeit oder Ausbildung verweigerten, strenger behandelt werden. De Boer bezifferte die Zahl der Problem-Jugendlichen auf insgesamt bis zu 40.000 in den Niederlanden. In den Lagern würden ihnen "Anständigkeit und Verantwortungsbewusstein" beigebracht, kündigt de Boer an. "Sie sollen aus dem Nest herauskommen und sich die Schuhe putzen", gab er den Jungen mit auf den Weg.

Auch das niederländische Parlament und die Regierung wollen auf die brisante Situation reagieren. Justizminister Piet Hein Donner kündigte an, in den nächsten zwei Jahren den vier großen niederländischen Städten zusätzlich fünf Millionen Euro für die Problembewältigung zur Verfügung zu stellen.

Doch es gibt auch Kritik an der Idee mit den Umerziehungslagern. "Drillen macht gerade erst kriminell", warnte Micha de Winter, Pädagogikproessor aus Utrecht, in der Zeitung "Algemeen Dagblaad". Die Jugendlichen würden in den Camps nur mehr Gehorsam lernen, aber nicht, mehr Verantwortung zu übernehmen. Aus Untersuchungen sei schon lange bekannt, dass "hartes Anpacken zu mehr Kriminalität" führe.

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