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30.01.2006
 

Mohammed-Karikaturen

Wütender Protest von Muslimen, Entschuldigung von Dänen

Nach immer gewalttätigeren Protesten von Muslimen gegen Karikaturen des Propheten Mohammed hat eine dänische Zeitung nun Konsequenzen gezogen: Sie entschuldigte sich für die Veröffentlichung. Zuvor hatten wütende Muslime im Gaza-Streifen ein EU-Büro gestürmt.

Gaza/Kopenhagen - Die Zeichnungen hätten nicht gegen dänische Gesetze verstoßen, aber unzweifelhaft viele Muslime beleidigt. Bei ihnen wolle man sich entschuldigen, sagte der Chefredakteur des "Jyllands Posten", Carsten Juste, in einer Erklärung, die auf der Website der Aarhuser Zeitung veröffentlicht wurde. Das Blatt reagierte damit auf die anhaltenden Proteste vieler Muslime, die schließlich immer deutlicher in Gewalt ausarteten.

Zuletzt hatten bewaffnete Mitglieder der palästinensischen Al-Aksa-Brigaden das EU-Büro besetzt und von Dänemark und Norwegen eine Entschuldigung gefordert. An der Erstürmung waren etwa 15 Extremisten beteiligt. Zehn Männer bezogen mit Handgranaten und Panzerfäusten bewaffnet Wache, bevor die Besetzung eine halbe Stunde später beendet wurde.

Dänen-feindliche Proteste in Gaza-Stadt: Hamas fordert Boykott
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Getty Images

Dänen-feindliche Proteste in Gaza-Stadt: Hamas fordert Boykott

Die Extremisten verbrannten dänische Flaggen und drohten, keine Dänen und Norweger in den Gaza-Streifen einreisen zu lassen. Grund für die Unruhen waren mehrere Karikaturen in skandinavischen Zeitungen: Eine der Zeichnungen zeigt Mohammed mit einem Turban in Gestalt einer Bombe samt brennender Zündschnur. Auf einer weiteren Zeichnung hat er ein Schwert in der Hand. Die Aarhuser Zeitung "Jyllands-Posten" hatte sie bereits am 30. September veröffentlicht, eine norwegische Zeitung druckte sie im Januar nach.

Bereits seit Tagen wird in mehreren islamischen Staaten dagegen protestiert, bis heute verliefen diese friedlich. Die Hamas forderte kurz nach der Erstürmung des EU-Büros alle Muslime auf, dänische Produkte zu boykottieren. "Die protestantische Gemeinde in Dänemark unterstützt diesen Rassismus unter dem Deckmantel der Pressefreiheit", teilte die Organisation mit, die am Mittwoch die Parlamentswahl in den Autonomiegebieten gewann.

Die dänische Lebensmittelkette Arla erklärte, der Boykott ihrer Produkte sei im Nahen Osten bereits nahezu komplett. Ihr Angebot sei aus den Regalen von Saudi-Arabien bis Katar verschwunden.

Die EU drohte Saudi-Arabien mit Sanktionen, sollte die Regierung den Boykott unterstützen. Handelskommissar Peter Mandelson teilte der Regierung in Riad mit, bei einer Unterstützung des Boykotts werde die EU die Welthandelsorganisation WTO einschalten.

Die Regierung in Riad habe beteuert, nicht zu dem Boykott aufgerufen zu haben, teilte Mandelsons Sprecher Peter Power mit.

Im Irak verübten Aufständische am Montag einen Sprengstoffanschlag auf einen dänisch-irakischen Militärkonvoi. Verletzt wurde dabei niemand. Die Koalitionsstreitkräfte leiteten Ermittlungen ein, ob der Angriff mit den Karikaturen zusammenhängen könnte, wie der britische Major Peter Cripps mitteilte. Im überwiegend von britischen Truppen kontrollierten Süden des Iraks sind rund 430 dänische Soldaten stationiert.

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