Kopenhagen - Es war ein 43 Seiten starkes Dossier, mit dem sich nach Angaben der dänischen Zeitung "Ekstra Bladet" eine Delegation dänischer Muslime im Winter 2005 auf die Reise in einige arabische Staaten machte, um den Hass auf Muslime in Dänemark zu belegen. Zum Inhalt der angeblich brisanten Dokumentation, die "Ekstra Bladet" auf seinen Internet-Seiten veröffentlicht hat, gehörten auch Zeichnungen und Bilder, die den "Propheten verunglimpfen", wie es in dem Papier hieß, darunter auch die zwölf Karikaturen, die bereits im September 2005 in der dänischen Tageszeitung "Jyllands Posten" erschienen waren. Allerdings: Die Gruppe um den Prediger Abu Laban fügte auch weitere Schmähbilder hinzu, die zuvor nirgends veröffentlicht wurden, aber noch geschmackloser waren.
Eines der Bilder, die die damit konfrontierten islamischen Würdenträger in den bereisten Staaten, unter anderem den Obermufti von Ägypten, empörten, sollte den Propheten Mohammed mit Schweineohren und -nase zeigen. Die Mitglieder der Delegation hatten erklärt, die Extra-Zeichnungen seien ihnen von anderen Muslimen zugeschickt worden. Doch jetzt kam heraus: Hinter der vermeintlich geschmacklosen Darstellung des Propheten im Zusammenhang mit dem für Muslime unreinen Tier verbirgt sich im Original ein harmloses Foto.
Dänische Medien haben ein Agenturfoto des französischen Automechaniker und Hobbykomiker Jacques Marrot als Vorlage ausgemacht. Wie die dänische Zeitung "Ekstra Bladet" berichtet, hatte sich Marrot im letzten Sommer mit aufgesetzter Nase und Ohren bei einer Jux-Meisterschaft im Schweinequieken in französischen Trie-sur-Baise ablichten lassen.
Später war das Bild eines Agenturfotografen der AP in leicht verfremdeter Form wieder aufgetaucht, eben in jenem Dossier, dass die dänischen Imame bei ihrer Reise durch arabische Länder als Beispiel für beleidigende Darstellungen des Propheten vorlegten.
Der Kopenhagener Imam Ahmed Akkari, der die Delegation seinerzeit mit anführte, sagte zur "Enthüllung" der Boulevardzeitung, das Bild sei dänischen Muslimen in höhnischer Absicht anonym als Mohammed-Darstellung zugeschickt worden, was nichts mit der Identität der abgebildeten Person zu tun habe. "Ekstra Bladet" meinte dagegen, dass die Imame nun "entlarvt" seien.
phw/dpa
© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH