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12.02.2006
 

Unfreiwilliges Geständnis

Imam preist Londoner U-Bahn-Attentäter

Nach den Anschlägen im Juli hatte Hamid Ali die Terroristen noch öffentlich verurteilt. Jetzt pries der geistliche Führer der Moschee in West Yorkshire die Attentäter in einem heimlich aufgezeichneten Gespräch mit einem Under-Cover-Reporter als "Helden".

London - Das Gespräch hatte ein verdeckt arbeitender Reporter mitgeschnitten und der englischen "Times" davon berichtet. Darin bezeichnet Ali die Selbstmordattentäter als "Kinder von Abdullah al-Faisal". Besonders der Anführer der U-Bahn-Mörder habe den Predigten Faisals intensiv zugehört. Dreimal habe al-Faisal in der Moschee gepredigt, Aufnahmen seiner Lehren zirkulierten weiterhin in den Kreisen der Gemeindemitglieder.

Polizeifoto eines Londoner U-Bahn-Attentäters: "Kinder al-Faisals"
DPA

Polizeifoto eines Londoner U-Bahn-Attentäters: "Kinder al-Faisals"

Faisal, ein muslimischer Extremist, der 2003 in Großbritannien wegen Mordes und rassistischer Predigten zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt wurde, ist in Großbritannien berüchtigt für seine Hass-Tiraden. Mal bezeichnete er alle Nicht-Muslime als Kakerlaken, die es auszurotten gelte, mal rief er ausdrücklich zum Mord an Ungläubigen auf. An anderer Stelle prophezeite er der englischen Königsfamilie und Mutter Theresa eine Zukunft in der Hölle.

Das jetzt aufgezeichnete Gespräch mit Hamid Ali bringt die Öffentlichkeit der Antwort auf die Frage ein wenig näher, welche Umstände zur Radikalisierung der Attentäter führten. Auf der Suche nach einer Erklärung hatte sich der Reporter - nach Angaben der "Times" selbst ein Bangladescher - als Student getarnt in der Gemeinde niedergelassen, in der drei der Bombenleger aufgewachsen waren.

Das Gespräch wirft aber auch ein Schlaglicht darauf, wie schwierig es ist, von einzelnen Äußerungen vor Mikrofonen auf die wahre Gesinnung zu schließen. Die Mitglieder der Gemeinde waren nach den Attentaten, bei denen 56 Menschen ums Leben kamen, eng zusammengerückt und hatten sich zu den Attentätern nicht äußern wollen, einerseits, so die "Times" wegen der Aufdringlichkeit der Medien, andererseits aber auch, weil die Angriffe von Seiten ultra-rechter Kräfte fürchteten.

Zu den wenigen, die sich in der Woche nach den Anschlägen äußerten, gehörte auch Ali. Er verurteilte die Anschläge und forderte eine strenge Bestrafung der Täter. Auf dem Band, das der Reporter jetzt mitschnitt, klingt der Imam jedoch ganz anders: "Was sie taten, war richtig. Sie haben gezeigt, dass es uns [Muslime] gibt. Die Bombenanschläge haben der Öffentlichkeit deutlich gemacht, was passieren werde, wenn friedliche Verhandlungen nicht zum Erfolg führen".

Den verurteilten Mörder Faisal bezeichnete er als weisen Gelehrten, der die Herzen seiner Zuhörer erreiche. Mohammed Sidique Khan - einer der Attentäter - habe etliche seiner Predigten als Tonbandaufnahme besessen und sie immer wieder angehört. Er, Ali, habe sich des Öfteren welche ausgeliehen.

mik

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