Sonntag, 22. November 2009

Politik



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22.02.2006
 

Irak

Wütende Proteste nach Anschlag auf schiitisches Heiligtum

Es ist eines der wichtigsten Heiligtümer der schiitischen Muslime weltweit: Die Askari-Moschee im nordirakischen Samarra, in der sich das Mausoleum der Imame Hadi und Askari befindet, ist von Extremisten gesprengt worden. Der führende schiitische Kleriker Ajatollah Ali al-Sistani rief zu Protesten auf.

Samarra - Die Hälfte der sechs Meter hohen vergoldeten Kuppel der Schreine der Imame Hassan al-Askari und Ali al-Hadi wurde nach Polizeiangaben durch die Detonation zerstört, ein Minarett wurde beschädigt. Eine Sprecherin des US-Militärs sprach von einem katastrophalen Schaden. Menschen kamen bei dem Anschlag nicht zu Schaden. Einheiten der US-Armee und des Innenministeriums nahmen zunächst alle zur Bewachung des Schreins abgestellten Polizisten fest.

Nach Angaben von Augenzeugen hatte eine Gruppe bewaffneter Männer am frühen Morgen die Wächter vor dem Schrein überwältigt und gefesselt. Dann hätten sie den Sprengsatz platziert, hieß es. Ein Reporter des Nachrichtensenders al-Arabija berichtete unter Berufung auf die Wachleute, die Extremisten hätten Uniformen der irakischen Nationalgarde getragen.

Der Nationale Sicherheitsberater des Iraks, Mowaffak al-Rubaie, machte Sunniten für den Anschlag verantwortlich. Hunderte aufgebrachte Menschen strömten nach dem Anschlag zu dem Mausoleum und forderten lautstark Vergeltung. In der überwiegend von Schiiten bewohnten Stadt Kut gingen etwa 1000 Menschen auf die Straße, als der Anschlag bekannt wurde. Rund 2000 wütende Demonstranten versammelten sich auch in Nadschaf. Der führende schiitische Kleriker Ali al-Sistani rief seine Anhänger zu Protesten auf. Ministerpräsident Ibrahim al-Dschaafari verhängte eine dreitägige Staatstrauer. Der Trauerzeit schloss sich auch die Bewegung des Schiiten-Führers Moktada Sadr an. Vorbeter forderten "Tod für Amerika, das uns den Terrorismus gebracht hat". Ein sunnitischer Scheich sagte, die Einwohner der Stadt verurteilten den Angriff einstimmig. Auch die mehrheitlich sunnitischen Einwohner von Samarra verehren die in dem Mausoleum beigesetzten Imame. Sicherheitsberater al-Rubaie sagte dem staatlichen Fernsehsender Irakija, es seien zehn Verdächtige festgenommen worden. Die sunnitischen Attentäter seien von der radikal-islamischen al-Qaida-Gruppe inspiriert worden. "Sie werden es nicht schaffen, das irakische Volk in einen Bürgerkrieg zu ziehen, genauso, wie sie es in der Vergangenheit nicht geschafft haben", sagte er dem Sender al-Arabija. Das Mausoleum der Imame Ali al-Hadi und Hassan al-Askari aus dem 9. Jahrhundert ist eine viel besuchte Pilgerstätte der Schiiten. Al-Hadi ist der 828 in Medina geborene zehnte Imam und soll nach schiitischer Überlieferung im Jahr 868 auf Geheiß des Kalifen al-Mutawakkil in Samarra vergiftet worden sein. Samarra liegt rund 125 Kilometer nördlich von Bagdad. In der Nähe der Stadt Kut im Südirak wurden bei einer Bombenexplosion zwei Jungen getötet und vier weitere verletzt. Die Bombe explodierte nach Polizeiangaben nahe einer Grundschule in der vorwiegend schiitischen Region. In den letzten Tagen hatten mehrere Attentate, bei denen vor allem Schiiten getötet wurden, Befürchtungen vor einer weiteren Eskalation religiöser Gewalt genährt.

"Keine US-Militärbasen zurücklassen"

Unterdessen machten die Vereinigten Staaten klar, dass sie nach einem Abzug ihrer Truppen aus dem Irak keine ständigen Militärbasen zurücklassen wollen. Die USA gingen derzeit nicht von einer langfristigen und großen Truppenpräsenz in ständigen Militärbasen aus, sagte General Mark Kimmitt vom US-Zentralkommando gestern in Washington. Außerdem seien die USA bislang nicht von der irakischen Regierung gebeten worden, ständige Garnisonen zu unterhalten.

Nach den Worten von Kimmitt ist die US-Truppenpräsenz vom Terrornetzwerk al-Qaida als Vorwand für Anschläge ausgenutzt worden. Für die Länder in der Region sei es besser, ihren Kampf selbst zu führen, sagte der General. Die USA wollten außerdem der Wahrnehmung entgegentreten, sie seien Besatzer und nur wegen des Erdöls in der Region.

lan/AP/AFP/dpa/Reuters

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