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24.02.2006
 

Irak

Wer zu früh beten geht, wird festgenommen

Die Behörden im Irak haben in vier Provinzen die nächtliche Ausgangssperre bis in den späten Nachmittag hinein ausgeweitet. Sie gilt auch für Gläubige, die zum Freitagsgebet wollen. Die US-Armee meldete die Festnahme eines Bombenbauers der Qaida.

Bagdad - Die Ausgangssperre für Bagdad und die drei angrenzenden Provinzen Salahaddin, Dijala und Babil gilt nun bis 16 Uhr (14 Uhr MEZ). Wer sich davor auf der Straße befindet, werde umgehend festgenommen, sagte ein Regierungsvertreter. Das gelte auch für Gläubige, die auf dem Weg zu den Freitagsgebeten in die Moscheen seien. Zudem soll der Bagdader Flughafen geschlossen bleiben. Die USA und die Vereinten Nationen unterstützten die Maßnahme, die das Ziel hat, die Gewalt zwischen den moslemischen Religionsgruppen zu beenden und das Abrutschen in einen Bürgerkrieg zu verhindern.

Bagdad: Irakischer Polizist überwacht Ausgangsperre
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AP

Bagdad: Irakischer Polizist überwacht Ausgangsperre

Die Ausgangssperre war zuletzt bereits auf 20 Uhr abends bis 6 Uhr morgens verlängert worden. Zuvor galt sie von 23 Uhr bis 5 Uhr. Am Morgen blieb es in Bagdad zunächst ruhig. Die Straßen waren weitgehend leer, Soldaten und Polizisten wiesen an Kontrollposten einzelne Autofahrer zurück. Einwohner berichteten jedoch von nächtlichen Zusammenstößen in zwei Stadtteilen.

Nach dem Anschlag auf eine der wichtigsten schiitischen Stätten im Irak in Samarra war es in den vergangenen zwei Tagen zu schweren Zusammenstößen von Sunniten und Schiiten gekommen. In Samarra gilt ein totales Fahrverbot. Die Sicherheitskräfte haben Anweisung, auf jeden zu schießen, der dagegen verstößt.

Drei Mitglieder einer schiitischen Familie sind am Morgen in der Stadt Latifija bei einem Angriff Bewaffneter getötet worden. Die Männer hätten das Haus der Familie gestürmt und zwei Männer und eine Frau getötet, teilte die Polizei mit. Zwei Kinder der Familie im Alter von elf und 13 Jahren seien verletzt worden. Die Stadt ist Teil einer Ansammlung von Gemeinden südwestlich der Hauptstadt, in denen es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen sunnitischen und schiitischen Bevölkerungsgruppen kommt.

Bei Protesten, Angriffen und Anschlägen wurden landesweit mehr als 130 Menschen getötet, die meisten davon Sunniten. Sunnitische Vertreter lasteten die Gewalt in einer beispiellosen Kritik dem schiitischen Großajatollah Ali al-Sistani an. Aus Protest zog sich die größte sunnitische Fraktion im neu gewählten Parlament aus Gesprächen über eine Regierung der nationalen Einheit zurück.

International weckten die schweren Ausschreitungen in dem Golfstaat Sorgen vor einem Bürgerkrieg. An die Wahlen Mitte Dezember - in deren Folge die erste Regierung mit einer vollen Amtszeit nach dem Sturz Saddam Husseins bestimmt werden sollte - hatten sich ursprünglich große Hoffnungen auf eine Befriedung des Landes geknüpft.

Nach Angaben des US-Militärs wurde bei einer Razzia in Bagdad ein Sprengstoffexperte der Terrororganisation Qaida getötet. Akram Mahmud al-Muschadani, genannt Abu Asma, sei bei einer Hausdurchsuchung von Koalitionssoldaten und irakischen Polizisten getötet worden. Geheimdienstberichten zufolge habe er mit Sprengstoff gefüllte Westen besessen und diese auch einsetzen wollen. Abu Asma sei für viele tödliche Anschläge auf US-Soldaten und irakische Sicherheitskräfte verantwortlich gewesen, erklärten die US-Streitkräfte.

In Iran protestierten heute Tausende Schiiten gegen den Bombenanschlag auf die Goldene Moschee im Nachbarland Irak. Auf Spruchbändern warfen die Demonstranten den USA vor, die irakischen Schiiten und Sunniten in einen Bürgerkrieg zu treiben.

asc/Reuters/AFP/AP/dpa

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