Washington - Das Memo stammt vom Pentagon-Mitarbeiter und heutigen Unterstaatssekretär im US-Verteidigungsministerium, Steven A. Cambone, und enthält Protokoll-Notizen von einer Krisensitzung mit Rumsfeld am frühen Nachmittag des 11. September 2001. Nur wenige Stunden nach den Terrorattacken auf New York und Washington gab Rumsfeld demnach die Anweisung, Hinweise für eine Verwicklung des Irak in die Terrorattacken zu finden. "Am besten schnell rein. Beurteilen, ob gut genug (um) SH zur gleichen Zeit zu treffen - nicht nur UBL", so die handschriftlichen Notizen. Bei den Abkürzungen handelt es sich um die im Pentagon üblichen Kurzbezeichnungen für Saddam Hussein und Osama Bin Laden.
Weiter heißt es in den Aufzeichnungen unter "Aufgaben", Jim Haynes, ein Pentagon-Jurist, solle "mit PW über zusätzliche Unterstützung reden ... Verbindung zu UBL". Mit PW gemeint ist vermutlich Paul Wolfowitz, damals Stellvertreter Rumsfelds und heute Weltbank-Präsident. Es sei "schwierig, gute Argumente vorzulegen", fahren die Notizen fort, doch es gebe die "Notwendigkeit, schnell zu handeln" und "massiv zu werden". Man müsse "alles einbeziehen, ob einschlägig oder nicht".
Das teilweise geschwärzte Dokument hat Thad Anderson, Jurastudent und Betreiber des Polit-Blogs "Outraged Moderates" am 10. Februar erhalten und auf seinem Blog veröffentlicht , nachdem er einen Antrag auf Freigabe beim Pentagon gemäß dem US-Informationsfreiheitsgesetz gestellt hatte. Der britischen Zeitung "Guardian" zufolge hat das Pentagon bestätigt, dass es sich bei den Aufzeichnungen um Notizen von Cambone handele. Cambone sei "zuständig für Krisenmanagement " gewesen und "mit dem Minister an diesem Nachmittag zusammen", so ein Sprecher.
Anderson hatte die Herausgabe beantragt, nachdem die Cambone-Aufzeichnungen zwar für den im August 2004 vorgelegten Bericht der 9/11-Untersuchungskommission herangezogen, aber nicht selbst veröffentlicht worden waren. In dem Bericht der Kommission hatte es lediglich geheißen, "laut zeitgenössischer Aufzeichnungen" habe Rumsfeld General Richard Myers aufgefordert, schnell möglichst umfassende Informationen zu besorgen. Die USA sollten eine weite Bandbreite von Optionen erwägen. Der Minister habe gesagt, es sei sein Instinkt, zur gleichen Zeit Saddam Hussein zu treffen, und nicht nur gegen Bin Laden vorzugehen.
Später hatte Rumsfeld erklärt, dass er damals einen der beiden - oder auch jemand anderen - als Drahtzieher der Anschläge betrachtete. Der Wortlaut der Protokoll-Notizen zeigt dagegen, wie sehr Saddam schon Stunden nach der al-Qaida-Attacke im Visier des Pentagon stand.
hen/hkl
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