Paris - Die Stimmung in Frankreich heizt sich auf. Beim ersten Protesttag vor sechs Wochen waren es 400.000 Demonsttranten, die auf die Straße gingen. Vor zwei Wochen waren es schon 700.000. Heute sollen es über eine Million Menschen werden, die gegen die umstrittene Arbeitsmarktreform des konservativen Premierministers Dominique de Villepin demonstrieren.
Bis zum Nachmittag hatten sich allein in Paris, Rennes und Toulouse bereits jeweils Zehntausende Menschen auf den Straßen eingefunden. Und der Zustrom der Demonstranten bricht nicht ab. "Chirac, Villepin, eure Probezeit ist um", war der beliebteste Slogan auf den Transparenten.
Gewerkschaften, Schüler- und Studentenverbände sowie Linksparteien wollen die Regierung mit einem verstärkten Druck zwingen, den Abbau des Kündigungsschutzes für junge Arbeitnehmer zurückzunehmen.
Die Gewerkschaft CFDT veranstaltet landesweit 160 Kundgebungen gegen den "Vertrag zur Ersteinstellung" (CPE). Die Gewerkschaften wollen über eine "höhere Gangart" entscheiden, wenn der Protesttag ihrer Einschätzung nach erfolgreich verlaufen ist. Gewerkschaftsanführer Bernard Thibault schließt nicht aus, dass auf die Proteste ein Generalstreik folgen könnte. "Wenn sie nicht auf uns hören, müssen wir darüber nachdenken, ob wir zu einem landesweiten Generalstreik übergehen", erklärte Thibault.
Nach tagelangen Protesten von Studenten, zum Teil mit gewalttätigen Ausschreitungen, hatten Universitätsrektoren Villepin gestern Abend aufgefordert, das Gesetz auszusetzen. Stattdessen solle der Regierungschef in den kommenden sechs Monaten einen breiten Dialog über die Beschäftigungspolitik beginnen. Villepin habe den Eindruck erweckt, er sei zu einer "bedeutsamen Geste" bereit, um den Konflikt nicht weiter eskalieren zu lassen, sagte Universitätspräsident Yannick Vallée. In 60 von 84 Universitäten blockieren oder stören Studenten aus Protest gegen das Gesetz den Lehrbetrieb. Auch Schulen werden bestreikt.
Umfragen zufolge wollen 68 Prozent der Franzosen eine Rücknahme der Reform, mit der Villepin die hohe Arbeitslosigkeit in der jungen Generation bekämpfen will. Sie liegt in Problemvierteln bei bis zu 40 Prozent.
ler/dpa/Reuters
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